|
|
|
____________________________
Günter Deckert Reports
22 September 2006
___________________________
From: guenter.deckert@freenet.de
Sent: Saturday, 23 September 2006 4:47 AM
Subject: Zündell-Prozeß, Verhandlung am 22.9.06
Zündel-Prozeß in Mannheim
Bericht vom heutigen Verhandlungstag, 22. September 2006
Offizieller Beginn 9Uhr, begonnen indes erst um 9.20Uhr – die übliche Verspätung.
Anwesend: 1. alle Rechtsanwälte - RAe
2. Staatsanwalt -StA - Grossmann
3. das Gericht in der bekannten Besetzung
4. 1 Gerichtsdiener + 4 Polizisten in Uniform, alle bewaffnet + 2 x Politische Polizei
5. drei Medienvertreter, darunter Mannheimer Morgen sowie BILD, Ausgabe Rhein-Neckar,
nicht jedoch Zastrow von der FAZ
6. Nur etwa 35 sonstige Zuhörer, da der Saal 5 wesentlich kleiner ist als der Saal 1, der an-
derweitig belegt war. Folge: Über ein Dutzend Interessierte fanden keinen Einlaß.
1. Als Ernst in den Saal geführt wird, erheben sich die meisten Anwesenden. Keine Reaktion seitens des Gerichtes / des Vorsitzenden, das kurz danach den Saal betritt.
2. RA Rieger rügt die Größe des Saales und regt an, die noch leeren Stühle frei zu geben. – Dr. Meinerzerzhagen lehnt das Ersuchen aus sitzungspolizeilichen Gründen, die er nicht anführt, ab. – RA Rieger stellt dann einen formellen Antrag, das Gericht zieht sich zurück; Der Antrag wird als unbegründet zurückgewiesen und erneut werden sitzungspolizeiliche Gründe angeführt.
3. Der Antrag von RA Bock vom 1.9.2006 auf Aussetzung der Verhandlung bis nach der Holocaust-Konferenz in Teheran wird, da angeblich NICHT verfahrensbedeutsam, abgelehnt. Der Holocaust „sei eine gesicherte geschichtliche Tatsache, und Ernst Zündel ein Holocaust-Leugner, was den Leugnungstatbestand des § 130 erfülle".
4. Dann Verlesen eines Aktenvermerkes der BKA-Beamtin Kuhl in Bezug auf Anschriftenänderung im GERMANIA-Rundbrief sowie Hinweis auf einen FBI-Bericht v. 9.4.2001. RA Rieger beantragt anschließend das Verlesen dieses FBI-Berichtes; soll in einer der nächsten Verhandlungen erfolgen.
5. Verlesen eines sehr langen Briefes von Frau Zündel an Ernst vom 3.4.2005, der sich ua.. sehr, sehr ausführlich mit der Verteidigungsstrategie befasst und deswegen auch „angehalten“ wurde. – Auf Frage von Dr. Meinerzhagen werden von keiner Seite Erklärungen abgegeben.
6. Es erfolgt dann die Vernehmung des Zeugen Franz Kindler vom VS-Verlag, Nachfolgeverlag von Leske & Budrich in Bezug auf die Herausgabe des Handbuches Rechtsextremismus, in dem Ernst Zündel erwähnt wird. Der Zeuge ist Lektor des Nachfolge-Verlages, kennt einen Verfasser, der mittlerweile im Innenministerium des Bundeslandes NRW /Nordrhein-Westfalen) arbeitet, persönlich; dieser Thomas Rumke sei Politikwissenschaftler. --- Den Richter interessieren die Auflagenhöhe (2000 Exemplare im sogenannten freien Verkauf, 2500 von der Landesregierung NRW angekauft und über die „Landeszentrale für politische Bildung“ kostenlos an Schulen/Schüler usw. abgegeben) wegen der „Einwirkung auf die Öffentlichkeit“. Der Zeuge hat für viele Sachfragen nur ungenaue Antworten.
7. Die RAe Bock, Rieger und Dr. Schaller befragen den Zeugen hinsichtlich der „Wissenschaftlichkeit“ bei Verwendung von Ausdrücken wie Hochstapler (für Leuchter) und Exzentriker (für Zündel). Als RA Bock ihn „Rechtsradikalismus“ und „Revisionismus“ definieren läßt, kommt er sichtlich in Bedrängnis und ist erst nach Nachfassen, auch unter Hinweis, daß der Richter das anordnen kann, zu einer persönlichen Definition bereit, welche die üblichen Schablonen bedient. Dr. Schaller sagt ihm ins Gesicht, es handle sich hier um „Anti-faschistische Wissenschaft“. Dr. Meinerzhagen läßt weitere Fragen nicht zu und erteilt auch, mittels Gerichtsbeschluß, dem Antrag von RA Rieger auf Vereidigung des Zeugen eine Absage
8. Danach, ab 10.50Uhr, wird eine Pause von 15 Minuten verfügt, die indes 30 Minuten dauert. Zur Vorlesung kommt ein Schreiben einer Frau Marion Schreiber-Kellermann, Hamburg, an das dortige Landesamt für Verfassungsschutz, in dem sie sich über eine ungebetene Zusendung des GERMANIA-Rundbriefes beschwert. Dieses Schreiben führt neben einem Schriftwechsel mit dem LfV auch zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Ernst Zündel, das eingestellt wird, da Ernst in den USA lebt und dort derartige Äußerungen keinen Straftatbestand darstellen. Dieser Sachverhalt sei der „Dame“ auch mitgeteilt worden.
9. Es folgt das Verlesen der Angaben über Ernst Zündel aus dem „Bundeszentralregister“, Stand 3. Mai 2005. Nur zwei Hinweise auf die beiden Haftbefehle; sonst keine weiteren Eintragungen.
10. Dr. Schaller meldet sich zu Wort, um seinen überarbeiteten Beweisantrag vom Sommer 2005 zu verlesen. Das behagt weder dem Vorsitzenden noch dem Berichterstatter, die auch nach kurzer Zeit eingreifen und die Ausführungen unterbinden wollen. Daraus auch Wortgefecht mit RA Rieger. Als der Vorsitzender nach der Länge des Antrages fragt und die Antwort 37 Seiten erhält, schließt der die Verhandlung, sichert aber Dr. Schaller zu, daß er am 29. Sept. seinen Antrag vortragen könne. Auch RA Rieger kündigt einen weiteren Antrag an.
11. Es werden noch die neuen Zusatztermine mitgeteilt: 4., 19.-20. Oktober und 10. November, jeweils 09:00Uhr. – Die Verhandlung wird um 11.45Uhr geschlossen.
Weinheim/B., den 22. Sept. 2006 / Günter Deckert
-------------------
Translation of proceedings on 22 September 2006
Present in court: all attorneys, state prosecutor Grossmann, the judges, judge's associate, four armed police and two political police; three media representatives, not Zastrow from the Frankfurt Allgemeine Zeitung; the smaller court room 5 held only 35 individuals and about a dozen could not be admitted.
1. When Ernst entered the court most in the public gallery arose, and there was no reaction from the judge who himself soon after entered.
2. Legal Counsel-attorney Rieger complained about the size of the court room, requesting that the empty chairs be made available, which Dr Meinerzhagen rejects to do on grounds of security. Rieger then formally makes an application to settle the matter, and the courts adjourns to consider his application - which is then rejected on the same grounds as offered before.
3. Also Counsel Bock's application to have the proceedings adjourned until after the Tehran Holocaust Conference is rejected on grounds that this conference is irrelevant to the current proceedings. The Holocaust "is a proven historical fact and Ernst Zündel is a Holocaust denier, which fulfills the denial requirements of Section § 130".
4. A reading of a memorandum of BKA-Beamtin (Bundeskriminalamt officer) Kuhl in reference to address changes of GERMANIA newsletter, as well as a reference to an FBI report of 9 April 2000. Counsel Rieger asks that this report be read in open court, which is to be done on a subsequent hearing date.
5. A reading of a very long letter from Mrs Zündel to Ernst of 3 April 2005, which among other things concerns itself in very, very detailed form with the defence strategy, and was thus also not handed out to Ernst. There is no response to Judge Meinerzhagen's invitation for defence and prosecution to comment on the contents of this letter.
6. Witness Franz Kindler takes the stand. He is from the VS-Verlag, the publishing house successor of Leske & Budrich which published Handbuches Rechtsextremismus - Handbook of Radical Right Extremism, wherein Ernst is mentioned. The witness is editor and personally knows an author who is now working at the Interior Ministry of the state of Nordrhein-Westfalen, a Thomas Rumke who is a political scientist. The judge is interested in the number of copies printed — 2000 copies to the open book market, 2500 copies bought by the state government NRW and disseminated via the central office of political education distributed free to schools and students — so that the "effect of its influence on the public can be assessed. To many of the factual questions asked the witness responds rather vaguely.
7. Counsels Bock, Rieger and Dr Schaller ask the witness to explain the scientific use of terms such as Hochstapler-impostor - for Leuchter, and Exzentriker-eccentric - for Zündel. When Bock asks him to define Rechtsradikalismus and Revisionismus, the witness feels the pressure, and only after being advised that the judge could order him to give such definitions, the witness offers his personal definition, which uses the usual cliché-structures. Dr Schaller openly states to the witness that this is all about 'anti-fascist research'. Dr Meinerzhagen does not permit a further questioning of the witness, and rejects Counsel Rieger's application to have the witness give sworn evidence.
8. Around 10:50 h a break of fifteen minutes is ordered, which extends to 30 minutes. A letter from a Mrs Marion Schreiber-Kellermann, Hamburg, to the local Office of Protecting the Constitution is read out wherein she complains of having received unsolicited a copy of the GERMANIA newsletter. Besides this correspondence there is also material concerning an application to proceed against Ernst Zündel, which is discontinued on account of Ernst living in the USA where such expressions are not criminalized. This was also conveyed to the complainant.
9. A reading follows of the particulars about Ernst Zündel from the Bundeszentralregister-Federal Central Registry - of 3 May 2005. There is mention only of the two outstanding arrest warrants, nothing else.
10. Dr Schaller requests permission to read out his revised evidence application of Summer 2005, which displeased the court and the reporters - resulting in verbal battle with Counsel Rieger. When the judge asks how long the application is - 37 pages - he closes the proceedings, but ensures Dr Schaller that he can read out his application on 29 September 2006. Counsel Rieger also advises that he has a further application to make.
11. New trial dates are set: 4, 19-20 October, and 10 November 2006, beginning at 09:00 AM. The court closed around 11:45 AM.
Günter Deckert
Weinheim/B.,
22. September 2006
©-free 2006 Adelaide Institute