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Sent: Wednesday, November 17, 2004 4:35 AM
Subject: Wagner-Text

 

Wagner und das Sein


Als ich den Ring das erste Mal gehört habe, hat sich etwas ereignet, das selten und kostbar ist. Es war ein Moment der authentischen ästhetischen Erfahrung. Die Welt hat sich für mich geöffnet und ich geriet in ehrfürchtiges Staunen, denn da war ein meinem Ich überhabenes Sein, das mich zu umgeben, zu umfassen und zu durchdringen schien.

Diese Erfahrung hat mich nachhaltig beeindruckt und war äußerst folgenreich. Normalerweise handeln und fühlen wir Menschen (in unserer Lebenspraxis) wie selbstverständlich und vollkommen bewußtlos so, als ob die ungeheure Welt-Bewegung um uns als Mittelpunkt kreise und alles was geschehe seinen Grund in uns habe. Wir glauben, das Sein wirke zu unserem Nutzen oder zu unserem Schaden und sind – struktural optimistisch irrend – davon überzeugt, daß sein Hauptanliegen ganz eigentlich die Befriedigung unserer egoistischen Wünsche sei. Dies resultiert daraus, daß wir diese selbst zum Hauptinteresse unserer Lebenspraxis machen und in unserer Hybris tief und fest davon überzeugt sind, daß unsere ichhafte Interessenlage mit der des Seins identisch sei.

Gelingt es uns aber uns zu dezentrieren (was bei Wagner leicht fällt), so erkennen wir aus der neu gewonnenen Perspektivität, daß der Welt-Prozeß für sich ist und nicht für uns. Unsere Bedeutung schlägt dann in ihr Gegenteil um und wir gelangen (angesichts der schieren Urgewalt dieser Klänge) zu der ebenso falschen Überzeugung, daß wir vollkommen unwichtig seien.

Wir verkennen dabei die selbstreferentielle Struktur des Prozesses. Es ist vollkommen gleich gültig und wertig, ob sich das Sein in erhabener Musik ausdrückt oder die Lebenspraxis von Würmern in einem Hundedarm organisiert. Es ist nur unser falsches Ich-Bewußtsein, dem das eine als groß und bedeutend und das andere als klein und bedeutungslos erscheint. Dies gilt auch denn, wenn nicht mehr die Quantität sondern die Qualität unsere Bewertungen zu bestimmen beginnt. Wir halten dann den Wurm für größer als den Hund, den er bewohnt und den Menschen für größer als die „unbeseelte” Natur, deren Teil er ist.

Der Wahrheit können wir uns nur dann annähern, wenn wir wertfrei hinter beide Begriffe zurück treten und die Struktur der Bewegung untersuchen, deren Aspekte wir in Qualität und Quantität nur scheinbar begreifen. Wir sind dann versucht zu sagen: Es gibt nur eine einzige Energie, die an alles was ist zu gleichen Teilen verteilt ist, bzw. immer bestrebt ist Ungleichgewichte auszugleichen, so daß die Gleichverteilung aus ihrer Bewegung resultiert. Aber auch das ist ein notwendiger Irrtum der Quantität. Es scheint nur so, daß die Energie verteilt wäre. Sie ist in allen ihren Teilen ungeteilt, denn sie ist nicht teilbar. Sie ist das Atom im literalen Sinne des Wortes. Und dieses Atom ist sich bewußt und erkennt sich durch uns so, wie wir uns im Hören in dem erkennen, das wir nicht sind.

Die Kraft der Wagnerschen Affirmation entspricht (in diesem Erkennen) derjenigen seiner Negation, ebenso wie sein Sprechen dem Schweigen, seine Stärke der Schwäche, sein Gutes dem Bösen, seine Liebe dem Haß, seine Gewalt der Gewaltlosigkeit, seine Herrschaft der Knechtschaft, sein Wissen dem Unwissen, sein Bewußtes dem Unbewußten und so immer fort, denn es ist die eine, ungeteilte Kraft, die Wagner gültig ausdrückt und die durch seine Musik wirkt.

Das erste System, das wir also aufzuheben haben (wenn wir Wagner folgen wollen), ist unser Wertesystem. [Werten ist ein basaler sozialer Prozeß und es ist mir als Soziologe vollkommen klar, daß ich damit die Struktur unserer Sozialität in ihren Grundlagen angreife.] Wir nehmen uns selbst entweder zu wichtig oder zu unwichtig. Das ist die Struktur des grundlegenden Unwissens, aus dem sich das (nicht-)selbstbewußte Ich als Herr oder Knecht ausformt, aus dem letztlich Völker und Klassen an sich und für sich emergieren und in die Konflikte geraten, die Wagner beschreibt.

Solches Ich kann entweder nur Hammer oder Amboß sein bzw. nur in seine Extreme umschlagen. Es kann von dem, was es seinem Verständnis nach nicht ist, was ihm, seiner Klasse oder seinem Volk oder seiner sonstigen Zugehörigkeitskategorie fremd ist, nur so viel oder so wenig akzeptieren, wie es durch die Sozialität, in die es eingebettet ist, gezwungen wird. Diese Unfähigkeit zur genuinen Akzeptanz dessen, was es für sich selbst nicht ist, führt dazu, daß es sich anmaßt zu behaupten, Welt existiere nur in seinem Bewußtsein und nur durch dieses (i. e. Herren-Bewußt-sein) oder sie führt zur gegenteiligen Behauptung (i. e. Knecht-Bewußt-sein). In beiden Fällen, also sowohl beim Herrn als auch beim Knecht, gilt ihm sein eigener Bewußtseinsstand als allein gültiger Maßstab zur Bewertung von Welt. Alles, was außerhalb dieser Perspektivität liegt, erscheint ihm als falsch oder als nicht wirklich existent.

Diese bewußtlos bewußte Selbst-Genügsamkeit – als Anmaßung oder falsche Bescheidenheit – bewirkt ein Wertesystem, das uns daran hindert unseren und der Welt Wert für uns zu gewinnen und zu besitzen. Solches Ich ist in seiner Lebenspraxis ein – struktural optimistischer oder pessimistischer – lonesome Looser, der versuchen und immer wieder versuchen aber jedesmal scheitern muß, weil er nicht gewinnen kann. Und selbst dann, wenn er glaubt doch einmal gesiegt zu haben, so verkehrt sich sein Sieg über kurz oder lang in eine Niederlage, was sich als am Schicksal der Nibelungen leicht ablesen läßt. Alles, was er letztlich tun kann ist zu kapitulieren oder in den manischen Wahnsinn zu flüchten oder sich umzubringen.

Die Ansprüche des individualisierten Ichs beruhen zwar auf einer gültigen Wahrheit, die aber für das Bewußtsein bis zur Unkenntlichkeit entstellt ist. Diese Wahrheit kann erst dann wieder erkannt werden, wenn das Ich seine Unwissenheit verstanden und seine narzißtische Selbst-Behauptung aufgegeben hat. Dies ist zwar auch eine Art von Kapitulation, aber nicht vor einem Feind, sondern vor der Wahrheit, die dann die ihr zukommende Macht als legitime Herrschaft ausübt. Dies wäre gleichsam die Fortsetzung der Geschichte.

Authentische Lebenspraxis beginnt also damit, daß wir erkennen und anerkennen, daß die je konkrete Ausdrucksgestalt dessen, das wir mit „wir” bezeichnen, nur die subjektive Ausformung einer einzigen und in Raum und Zeit unendlichen Bewegung ist, die es zu erkennen gilt und die wir bewußt zu sein haben. Das ist unsere Berufung, die wir mit Hingabe zu erfüllen haben, wenn wir nicht als Mensch scheitern, sondern uns als solcher bewähren wollen. Diese Dynamik ist nicht hintergehbar. Dabei sind wir der Gesamtbewegung weder unter- noch übergeordnet und damit auch weder weniger noch mehr wert. Wir sind deren ungeteiltes Teil eben so, wie alle anderen ihrer Ausformungen und wie sie selbst in ihrer Gesamtheit. Es ist ein Selbst, das sich struktural selbst als Selbst enthält und ist, wenn es auch eine unendliche Vielzahl von ihrem Schein nach differenten Phänomenen gibt.

Damit ist des Pudels Kern aber immer noch nicht erkannt. Wir müssen wissen, was die Gesamtbewegung ist, die wir bei Wagner hören können, und dürfen uns nicht in hilflosen Be- und Umschreibungen erschöpfen, denn damit ist nichts gewonnen. Wenn wir uns also dieser im ganz literalen Sinne außerordentlich schwierigen Frage stellen (ganz einfach deshalb weil wir es müssen) dann stoßen wir sofort auf ein schier unlösbares Problem: Unsere reine Vernunft sagt uns, daß unter der Bedingung von rekursiver Selbstreferentialität des gesamten Prozesses gilt, daß in struktural genau der gleichen Art und Weise, in der wir in die Bewegung eingeordnet und ein Aspekt von ihr sind, auch die Bewegung ihrerseits in Etwas eingeordnet und ein Aspekt dessen sein muß. Wir befinden uns also in einem infiniten Regreß, der genau so strukturiert ist, wie Wagner seine Musik komponiert hat. Wie können wir ihn stoppen? Nur durch etwas, das die Bewegung nicht ist.

Was könnte das sein? Es muß etwas sein, das sich nicht bewegt, denn nur damit ist es anders strukturiert als die Bewegung. (Wenn es sich aber selbst nicht bewegt, dann kann es auch nichts bewegen.) Es muß sich also um eine Art von raumzeitloser, unveränderlicher Stabilität handeln. (Sie muß außerhalb von Raum und Zeit sein, weil sich innerhalb alles bewegt. Und sie kann sich nicht verändern, weil sie sich nicht bewegt.) Sie kann nicht handeln, denn sonst müßte sie sich bewegen, aber sie muß alle Handlung in sich enthalten, sonst könnte sie die Bewegung nicht umfassen.

Es handelt sich also um ein reines Sein. Rein ist es deshalb, weil es außer sich nichts anderes ist. Ganz genau so, wie bei Wagner: Es ist mit nichts vermischt, also ist es rein. (Ein Sophist könnte daher sagen: Es ist das seiende Nichts.) Es ist eine Art von Energiequelle ohne selbst Energie zu sein, wobei „Quelle” eine unglückliche Metapher ist, denn diese Quelle sprudelt nicht und sie gibt nichts ab, denn dies implizierte ja Bewegung und Veränderung. Es ist etwas, das allein dadurch, daß es ist, Energie erzeugt, die immer schon vernichtet ist. Nur innerhalb derer raum-zeitlichen Projektion ist sie, bis die Töne verklungen sind.

Wenn unsere Reine Vernunft im Hören der Klänge das Sein an sich reflektiert, so verschwinden die Formen unserer Anschauung. Raum und Zeit erweisen sich als psychologische Kategorien unseres Bewußtseins unter die wir die Phänomene subsumieren und damit ordnen. Wenn es also räumliche Ausdehnung gibt, dann gibt es sie nur psychologisch. Gleiches gilt für die Dauer als das Beharren in der Zeit. Ausdehnung und Dauer sind also nur Symbole, die unserem Bewußtsein etwas nachträglich vergegenwärtigen [Im Jetzt der Gegenwart des Hörens fallen Raum und Zeit in eins, in der Reflektion treten sie wieder auseinander], das unser Verstand nicht begreifen kann. Über dieses Etwas können wir nur so viel sagen: Es ist eine Ewigkeit, die wir im Jetzt als Augenblick erfahren und eine Unendlichkeit, die uns als ein Punkt ohne Ausdehnung erscheint. Die scharfen, konfligierenden Widersprüche der Begriffe zeigen, daß Bewußtsein und Sprache (in ihrer aktuellen Entwicklung ihre Grenzen überschreiten, und) darum ringen, eine Einheit zu synthetisieren, welche deren Wirklichkeit gültig ausdückt, indem sie die Widersprüche aufhebt.

Nun kann man dem entgegenhalten, daß Raum und Zeit nur deshalb verschwinden, weil das Sein, das wir betrachten, eine phantasmatische Klangschöpfung ist, die wir kategorial falsch in eine begriffliche Wirklichkeit umzumünzen versuchen. Dem steht allerdings entgegen, daß wir weder von einem einzelnen Phänomen noch von einer Totalität von Phänomenen behaupten können, daß sie absolut existierten. Sie sind immer nur relativ und abhängig. Selbst wenn wir alles auf eine einzige, irreduktible, letzte Bewegung oder deren Energie zurückführen, so erhalten wir ein undefinierbares Phänomen.

Die Struktur des Begriffs der Wagnerschen Bewegung enthält ihrer Möglichkeit nach Ruhe und verweist damit darauf, daß Bewegung die Aktivität eines Seins ist. Und die Idee einer Energie in Aktion enthält in sich die Möglichkeit einer Energie, die sich der Aktion enthält. Eine absolute Energie, die nicht in Aktion ist, ist aber einfaches, reines, absolutes Sein. Welche Möglichkeiten sind also eröffnet? Entweder gibt es ein undefinierbares reines Sein oder eine undefinierbare Energie in Aktion. Gilt die zweite Alternante, so ist Energie ein durch eine allein existierende Aktion (oder Bewegung) erzeugtes Phänomen. Wir haben dann kein Sein vor uns, sondern das Nihil der Buddhisten, wo das Sein nur eine Eigenschaft des Karma (also einer Bewegung) ist. Dem widerspricht die Vernunft und sagt: Kategorienfehler! Sein ist keine Eigenschaft, sondern hat bestenfalls welche. Diese Alternante scheidet also aus. Es gilt die erste.

Wenn es ein undefinierbares reines Sein gibt, dann muß dies notwendig absolut sein. Es kann weder Form, Quantität oder Qualität sein, denn es ist, auch wenn diese nicht sind. Solches Sein ist nicht nur begrifflich denkbar, sondern es ist das einzige, daß wir als Wirklichkeit hinter den Phänomenen begreifen können.

Wenn wir sagen, es sei ohne Eigenschaften, dann heißt dies, daß es diese übersteigt. Auch die Formen, Quantitäten und Qualitäten des Rings gehen daraus hervor und darin zurück. Im Heraustreten in die Bewegung erhalten sie ihre Eigenschaften, Zustandsformen und Erscheinungen und im Zurücktreten verlieren sie diese wieder. Sie gehen nicht in eine einzige Form, Quantität oder Qualität ein, die allem zugrundeliegt, denn das kann es nicht geben. Sie gehen in etwas kategorial anderes ein. Dieses ist das, woraus sie kamen. Dort werden sie, im Falle ihrer Existenz, zu etwas, das nicht mehr mit den Begriffen erklärt werden kann, die für sie in der Bewegung zutreffen. Deshalb ist das reine Sein ein Absolutes. Es ist an sich selbst durch unser Denken nicht erkennbar, obwohl wir in einer uns übergeordneten Identität, welche die Begriffe von Erkenntnis übersteigt, in es zurücktreten können. Die Bewegung ist im Gegensatz zu diesem Absoluten das Feld des Relativen. Doch auch im Relativen ist der Bezug zum Absoluten notwendig enthalten. In diesem Bezug sind auch die Wagnerschen Klänge das Absolute und enthalten es. Deshalb können wir bei Wagner das Sein hören und uns davon ergreifen, umfassen und durchdringen lassen.

Wenn wir sagen, daß die Dinge in das zurückkehren, aus dem sie gekommen sind, so sind wir notwendig in eine Zeitfalle getappt. Die Sprachlichkeit, die uns manifest zur Verfügung steht ist immer eine unseres Zeitbewußtseins. Die Suggestion von Zeitlichkeit ist daher unvermeidbar. Das Hervor- und Zurücktreten der Bewegung aus dem Unbeweglichen und in das Unbewegliche ist aber ein nicht-zeitliches und damit allzeitig zeitlos ewiges Phänomen. [Was für hilflose Formulierungen! Das ganze Elend von Begrenzung kommt darin zum Ausdruck.] Es ist ein immer neues und altes Jetzt ohne Anfang und Ende, das Wagner in eine zeitliche Ewigkeit von aufeinander folgender Dauer übersetzt hat.

Nun kann man sagen, das ist alles nur vogelwilde Spekulation, material nicht gesichert und behaupten: Wir dürfen das Sein nicht durch das erklären, was wir bewußt begreifen, sondern nur durch das, was wir als seiend sehen. Und da sehen wir nichts anderes als Bewegung. Einmal im Raum und einmal in der Zeit. Die erste objektiv, die zweite subjektiv. Also ist Ausdehnung wirklich und Dauer ebenso, sonst nichts. Selbst dann, wenn wir hinter die Ausdehnung im Raum zurücktreten könnten und diese dann als ein Hilfsmittel unserer Psyche erkennen, die das Dasein lebenspraktisch handhabbar macht, indem sie das unzertrennbare Ganze auf einen begrifflichen Raum verteilt, so können wir doch nicht hinter die Bewegung von sequentieller Aufeinanderfolge, Transformation und Wechsel in der Zeit zurücktreten, denn diese ist der eigentliche Stoff unseres Bewußtseins.

Der Weltprozeß, dessen Teil wir sind, und den Wagner als fortschreitende Bewegung gültig ausdrückt, enthält alle vergangenen Sequenzen als inneren Kontext. Sie werden (ganz wie bei Wagner) in die je aktuelle einbezogen und innerhalb dieser Randbedingungen öffnen und schließen sich dann Möglichkeiten, die den potentiellen Anfang der zukünftigen darstellen. Wagner lehrt uns also, daß der Weltprozeß ein ständiges Beginnen ist, dessen Gegenwart sich uns entzieht, weil sie immer schon vergangen ist, wenn wir in unserer Reflektion danach greifen.


JB

 

 

Dr Bullingers Gedanken zum Weltprozeß wurden von einem Talmudisten wie folgt kritisiert:

"Der Gesichtspunkt der bei ihm  als ausfürliche Konkretisierung fehlt, ist derjenige des Entwicklungsziels."

Hier ist Bullingers Antwort:

Wie wir gesehen haben, ist Mentalität eine Produktionsweise von Bewußtsein. Unter der Bedingung von Trennung erzeugt das Mental die Unterschiede der äußeren Phänomene, die wir kategorial falsch verdinglichen.

Dies gilt auch für unsere Mentalität selbst. Wir sehen darin eine Instanz unseres Kognitionsapparates, welche Dinge erkennt, die schon durch eine in der Materie wirkende Kraft erschaffen sind. Die einzige Kreativität, die wir ihr zugestehen, ist das sekundäre Erschaffen von Formen, die aus den primären (oder deren Teilen) zusammengesetzt (oder synthetisiert) werden. Wir wissen aber bereits, daß Materie nur eine stoffliche Form von Kraft ist und wir werden noch ent-decken, daß materielle Kraft nur eine energetische Form von Mentalität ist.

Materielle Kraft ist in der Tat eine unterbewußte Tätigkeit von Willen. Wille und materielle Kraft sind ihrem Wesen nach dasselbe. Das materialistische Denken hat dies – wenn auch vom falschen Ende her – stets geahnt und gefühlt. Alchimisten, gnostische Meister und sonstige Religionsvirtuosen haben dies schon vor Jahrhunderten entdeckt. Heute nähern sich die Physiker dieser Erkenntnis. Ich behaupte daher: Diese materielle Welt ist von einer Intelligenz erschaffen, die Kraft als ihre Praxis offenbart.

Wenn das Mental aber keine unabhängige Größe ist, sondern nur eine unter der Bedingung von Trennung gegebene Art und Produktionsweise des genuinen Mentals, muß überall dort, wo das Derivat ist auch der Ursprung sein, also Wahrheits-Bewußt-sein. Selbst wenn das Mental in seinem eigenen, verdunkelten Bewußtsein von seinem Ursprung getrennt ist, so gibt es doch stets jene umfassende Bewegung in seinem Wirken. Sie zwingt selbst das aktive Wirken der rohen und dumpfen materiellen Kraft dazu, auf eine Welt von Gesetz und Ordnung hin zu arbeiten.

Solche Ordnung kann aber nur relativ zur mentalen Trennung sein. Es ist nicht die absolute Ordnung, die herrschen würde, wenn Mental und genuines Mental nicht getrennt wären. Sie ist eine systemische Anordnung von Ergebnissen, die für das Wirken des trennenden Mentals mit seinen separativen Gegen-Über-Stellungen angemesssen ist. Nur für dessen dual-konträre Dialektik von Wahrheit ist sie richtig.

Nun ist es die Eigentümlichkeit von Welt, daß nach ihrem Gesetz genau das – im Seienden enthaltene – hervorgebracht wird, was im Wesen der Sache selbst voraus-gesetzt und im Selbst-Sein latent ist. Das bedeutet, daß das Bewußtsein, das die Dualität ersonnen und in Tätigkeit gesetzt hat, aus der Real-Idee seine eigene Wahrheit ableitet und sie durch das lenkende Wirken des genuinen Mentals in Lebens-Substanz entwickelt.

Unsere dreidimensionale Welt von Mental, Vital und Körper ist also nur für uns dreifach. Das in Materie involvierte Leben ist zwar in der Form von denkendem, mental bewußtem Leben hervorgetreten, aber zugleich mit dem Mental, das in es involviert ist, ist auch das genuine Mental involviert, das Ursprung und Steuerungsgröße der anderen drei Größen ist und ebenfalls hervortreten muß.

Also müssen wir am Ursprung von Welt nach Intelligenz suchen, denn Intelligenz ist das höchste uns bewußte Prinzip, das uns Bewußtsein und Lebenspraxis zu erklären scheint. Wenn es Bewußtsein gibt, dann muß es intelligent sein. Aber Intelligenz beobachtet und reflektiert nur nach dem Maß ihrer Fähigkeit das Wirken einer ihr übergeordneten Wahrheit des Seienden. Die dahinter operierende Macht muß also eine andere und überlegene Form von Bewußtsein sein, die zu jener Wahrheit gehört. Damit ist die Strukturhypothese, daß ein unterbewußtes Mental die materielle Welt erschaffen habe, falsifiziert. Es muß ein involviertes genuines Mental sein. Dieses hat das Mental aus sich heraus objektiviert (oder subjektiviert) als die unmittelbar handelnde, besondere Form seines in der Kraft unterbewußten Willens zum Wissen und verwendet die materielle Kraft oder den im Stoff des Seienden unterbewußten Willen als seine exekutive Praxis.

Wenn aber die diesseitige Mentalität für uns in einer speziellen Form von Kraft objektiviert ist, die wir Leben nennen, was ist dann Leben und in welcher Beziehung steht es zum genuinen Mental, das mittels der Real-Idee (oder des Wahrheitsbewußtseins) in der Welt handelt? Durch welche göttliche oder teuflische Notwendigkeit der Wahrheit oder Illusion tritt es ins Dasein? Aus welchem Prinzip wird Leben geboren?

Ist es so, daß Leben von Übel ist? Ist es eine grausame Täuschung im Delirium eines besoffenen Gottes, dem wir im Alkoholismus nachfolgen? Ist Spiritus wirklich gleich Spiritus? Ist Leben eine Ver-rücktheit, die wir verlassen sollten, indem wir uns einer asketischen Entziehungskur unterwerfen? Ist Gott krank und sollen wir ihn hei-len indem wir abstinent werden? Oder ist es so, daß Leben eine Ausdrucksgestalt des Glücks des Seins ist, das sich im ständigen „Urknall” der Explosion der unzähligen Lebensformen des Universums (mit-)teilend aus-lebt?

Schichten wir die Ausdrucksgestalten des Lebens – die sich auf einer materialen Grundlage aufbauend objektivieren – auf dessen Wesen hin ab, so zeigt sich, daß es seiner Struktur nach eine Form von Energie ist. Leben ist hier ein Spiel jener Kraft, die Formen erzeugt, sie durch einen Strom von Reizwirkung mit Energie auflädt und durch einen kontinuierlichen Prozeß von Auflösung und Erneuerung ihrer Substanz erhält. Damit ist die Bedeutung von Tod ein Prozeß von Leben.

Unsere mentale Gegenüberstellung von Tod und Leben ist struktural falsch und gilt nur an der Oberfläche lebens-praktischer Erfahrung. Wenn wir diesen für uns „natürlichen” Gegensatz an das Wesen herantragen, so bedeutet dies eine kategorial falsche Subsumtion. Es geht nichts Wesentliches zugrunde, sondern alles erneuert sich autopoietisch selbst. Selbst im Zerfall des Körpers hört Leben nicht auf, sondern das zerbrochene Material der einen Form dient als Material dem Aufbau anderer. Es gibt keinen Tod als Tod sondern nur einen Prozeß von Reproduktion und Transformation als Leben.

Leben ist nichts anderes als die Kraft, welche Formen aufbaut, erhält und zerstört. Leben ist gleichsam der Architekt des Hauses, in dem wir wohnen. Irgendwann wird es rückgebaut und aus dem frei gewordenen Material etwas Anderes aufgebaut. Dann ziehen wir aus und um.

Alles Dasein ist hier Leben, das die Grundform von Materie als Material an-nimmt. Aus diesem Material entwickelt sich zunächst submentale Empfindungsfähigkeit und daraus mentale Vitalität. Der ganze Prozeß ist selbstreferentiell rekursiv und vollzieht sich unter der Bedingung einer Art von materialer Formenlehre. Leben ist also überall und als Leben unzerstörbar. In der Materie ist es uns noch verborgen aber die Physik beginnt gerade damit, in den kleinsten „Teilchen” (den Quarks) Reaktivität zu ent-decken. Auf Reize reagieren kann aber nur etwas, das lebt.

Materie tut also genau das, was der Mensch auch tut. Der einzige Unterschied besteht darin, daß die Trennung der wirksamen Kraft von ihrem Ursprung im Wissen in der Materie stärker ist als beim Menschen, der bewußtes Wissen und Materie – noch unvollkommen aber immerhin – vermittelt. Das, was Mensch und Materie strukturiert zeigt sich bei uns in Willen und Begehren und dort in Abstoßung und Anziehung. Die Fallstrukturgesetzlichkeit ist in beiden Fällen identisch, nur die Phänomene differieren. Und selbst diese können in Begriffen von Zuneigung und Abneigung erklärt werden. Daß diese Neigungen in der Materie unterbewußt und beim Menschen vorbewußt sind, macht struktural keinen Unterschied.

Die Essenz von Wille und Begehren ist evident. Ihr Wirken kann überall in der Natur beobachtet werden. Es ist immer der eigentliche Ausdruck eines nichtbewußten Empfindens. Dahinter operiert die bio-logische Intelligenz, die damit alles lenkt. Solche Intelligenz muß aber bewußte Kraft sein. Dahinter operiert also Bewußtsein. Leben ist also eine bewußt erzeugte, rekursiv aufsteigende Reihe energetischer Formen, die beginnend mit materialer Abstoßung und Anziehung über das Empfinden der Pflanze und das Begehren des Tieres beim Willen des Menschen angelangt ist. Der ganze Prozeß ist struktural ein abschichtend entbergender Übergang vom Unbewußten zum Bewußten.

Lebenspraxis ent-deckt das in der Materie verdeckte (oder unter-bewußte) auffassende Seins-Bewußtsein (oder Mental) als Vermittlungsinstanz (oder Mittelbegriff) zwischen Mental und Materie indem es das bewußt Seiende mit Energie auflädt und so die Latenz von empfindender Aktion und Reaktion objektivierend (oder subjektivierend) ihrer bio-logisch selegierten Möglichkeit nach zum manifesten Ausdruck bringt (oder verwirklicht). Die ganze Bedeutung von Leben ist das evolutive Hervorbringen des Involutiven.

Lebenspraxis ist von dem bloßen Prozeß zu leben so in Anspruch genommen, daß sich das Leben der bewußten Kraft, die dabei in ihm wirkt nicht bewußt ist. Dies ist ganz analog dazu, daß unser Mental davon absorbiert ist, Leben und Materie zu vergeistigen.

Leben dient in seiner Praxis blind und ignorant dem verdunkelten, absonderlichen Wirken des zerteilten Mentals und ist daher selbst verdunkelt, abgesondert und zerteilt und muß sich dem Tod unterwerfen, der aus der Selbst-Isolation des Mentals in seinem materiellen Gehäuse resultiert.

Wie wir gesehen haben, ergibt sich dieses Phänomen struktural aus der Selbst-Be-schränkung der individuellen Seele, die sich letztlich in der Ich-Identität gefangen hat und damit durch Unkenntnis ihres Selbstes gebunden ist. So wird das universale Leben in uns, das der im Mental (als dem auffassenden Seins-Bewußtsein) gebundenen Seele gehorcht, selbst in eine individuelle Aktion gesperrt. Es existiert und handelt als begrenztes, abgetrenntes, kleines und schwaches Leben, das in den ständigen und übermächtigen Kraft-Aus-tausch geworfen ist. Darum leidet das so verarmte Leben hilflos und kann dem Kampf-Spiel der Zweitheit nur mit mechanischen Reaktionen auf das antworten, was es angreift, benützt und antreibt. Wenn sich aber Selbst-Bewußtsein entwickelt, wird das individuelle Dasein seiner eigenen Macht bewußt und versucht das Kräftespiel zu meistern.

Die Erfahrung der eigenen inneren Macht ist das phylo- und ontogenetisch sequentielle Bewußt-Werden zum Selbst. Deshalb sind die Harry Potter Bücher so erfolgreich. In ihnen ist diese Phase der Menschwerdung gültig ausgedrückt. Leben ist Kraft, Kraft ist Macht, Macht ist Wille und Wille ist das Wirken des Meister-Be-wußtseins. In Harry Potter wird sich das Leben in seinen Tiefen dessen bewußt, daß auch es der Kraft-Wille des Meisters ist. So strebt Harry Potter danach, zum individuellen Meister seiner eigenen Welt zu werden.

Es ist der zunehmend stärker werdende Impuls alles individuellen Lebens, seine eigene Macht zu realisieren, seine eigene Welt zu bemeistern und diese immer besser zu erkennen. Warum gelingt uns dies dann nicht? Weshalb können wir nicht zaubern wie Harry Potter? Leben ist zwar Macht und der Prozeß von Individuierung bedeutet eine Zunahme von individueller Macht, der brute fact aber, daß Leben und Kraft geteilt und individualisiert sind, steht dem entgegen.

Wenn es dem Menschen gelänge, in seiner Wirklichkeit Meister seiner Welt zu werden, so würde dies bedeuten, daß er Meister der All-Kraft wäre. Einem abgesonderten, individualisierten Bewußtsein mit seiner zerteilten, individualisierten Macht und der daraus resultierenden Begrenzung seines Willens ist es aber schlecht-hin unmöglich, Meister der All-Kraft zu sein. (In-)Divi-duelles Leben in (in-)di-vi-dueller Gestalt muß stets den drei Merkmalen seiner Begrenzung unterworfen bleiben, nämlich Tod, Begehren und Unfähigkeit.

Tod wird dem individuellen Leben von den pragmatischen Erfüllungsbedingungen seiner eigenen Existenz als auch von der Struktur seiner Beziehung zur All-Kraft aufgezwungen. (In-)Divi-duelles Leben ist ein absonderliches Spiel von Energie mit dem Ziel, eine der je konkreten Gestaltungen als „Spielfigur” des ganzen Spie-les zu erzeugen, zu erhalten und letztlich aufzulösen, wenn sie ihren Zweck erfüllt hat oder nicht mehr benützt werden kann.

Die Strukturgesetzlichkeit dieser Dialektik von Konstruktion und Destruktion läßt sich dort am deutlichsten ablesen, wo sie sich als Fressen und Gefressenwerden manifestiert: Die im Körper inkarnierte Energie muß um ihre Körperlichkeit reproduzieren zu können sich von äußeren Energien nähren und wird selbst von diesen verzehrt. Das körperlich organisierte Leben ist also ständig der Gefahr ausgesetzt, durch einen Angriff einer anderen Konkretion zerstört zu werden und dieser als Nahrung zu dienen. Aktualisiert sich diese Möglichkeit, so muß es durch den Prozeß des Todes hindurch um neu erbaut werden zu können. Gleiches gilt, wenn die Fähigkeit selbst zu verzehren nicht mehr hinreicht um die eigene Energie zu erhalten. Dann kann es sich nicht mehr schützen und wird verzehrt oder es kann sich nicht mehr erneuern und wird vernichtet.

Die Nahrung selbst ist ihrer Struktur nach Lebenskraft. Davon ernährt sich Körperlichkeit und parallel gegenläufig dazu ernährt sich Lebenskraft von Körperlichkeit. Also gilt: Die Lebensenergie in uns liefert das Material, durch das unsere Gestalt aufgebaut, erhalten und erneuert wird und zugleich verbraucht sie dabei ihre eigene stoffliche Form. Sie erschafft und erhält ihre Formen indem sie diese verbraucht. Damit ist die Schlange, die sich selbst auffrißt, nicht nur ein hermetisches Symbol des uroborischen Inzests, sondern eine Veranschaulichung der Struktur von Lebenspraxis schlechthin.

Wenn bei einem je konkreten Subjekt das Gleichgewicht zwischen beiden aufeinander bezogenen Weisen der Wirksamkeit von Lebensenergie nicht mehr gegeben ist, treten Krankheit und Verfall ein und es beginnt der Prozeß der Auflösung. Dabei ist die Ausgewogenheit um so gefährdeter, je mehr sich das Mental um bewußte Machtausübung bemüht. Der Versuch Macht auszuüben ruft stets eine entsprechende Reaktion von Subjekten hervor, die ihre eigene Befriedigung anstreben und darum gegenüber einer Existenz, die sie zu bemeistern sucht intolerant sind, sich gegen sie empören und sie angreifen. Wie stark dann das beherrschende Subjekt auch immer sein mag, es kann nicht immer siegen sondern muß irgendwann unterliegen und sich auflösen, wenn es ihm nicht gelingt seine Machtausübung sozial zu legitimieren und in das Gleichgewicht einer anerkannten Herrschaft zu transformieren.

Schichtet man all diese phänomenalen Notwendigkeiten ab, so zeigt sich erneut das strukturale Erfordernis von Natur als das Ziel des verkörperten Lebens als Leben: Es gilt auf einer endlichen Grundlage unendliche Erfahrung zu suchen. Da aber genau die Form als Basis durch ihre Organisation die Möglichkeit von Erfahrung per se einschränkt, kann das nur dadurch verwirklicht werden, daß die Formen aufgelöst und neu gestaltet werden.

Nachdem sich die Seele in ihrer Fokussierung auf den Augenblick und die Form einmal eingeschränkt hat, versucht sie ihre Unendlichkeit durch das Prinzip der Sequentialität zurück zu gewinnen: Sie fügt Jetzt an Jetzt, Heute an Heute und erhält so eine Zeit-Erfahrung. In dieser Zeit bewegt sie sich durch für sie aufeinander folgende Räume und Lebens-Pha-sen und macht Erfahrungen, die sie speichert und erinnert. Für diesen Prozeß ist Trans-Formation wesentlich. Die Auflösung des Körpers gehorcht dabei dem Gesetz des Lebens, das ihr Material leiht und wieder zurück fordert. Das ist eine Art von Kreditvertrag, wobei der Kredit qua Vermehrung der Formen abgezinst und mit dem Tod getilgt wird.

Mit dem Tod wird die eingegangene Schuld getilgt. Das ist das Gesetz des Todes. (Wenn wir also Menschen mit dem Tod bestrafen, so gehorchen wir nicht dem Gesetz des Lebens, sondern maßen uns dieses in unserer Hybris an.) Der Tod ist ein notwendiger Prozeß des Lebens und damit gerechtfertigt. Er erscheint uns als schrecklich, weil das Leben vom Leben verschlungen wird und wir uns nicht dagegen wehren können. Unsere Todesangst ist die Angst des kleinen, wehrlosen Kindes, das von seiner großen, übermächtigen Mutter aufgefressen wird, damit diese leben und andere Kinder gebären kann, die sie dann wieder verschlingt.

Das Empfinden, von der eigenen Mutter zerbrochen und aufgezehrt zu werden, ist der Stachel des Todes, den selbst die Überzeugung eines persönlichen Überlebens nicht ganz beseitigen kann. Dies haben insbesondere zwei Spielarten der Psychoanalyse intuitiv gestaltrichtig erkannt (MELANIE KLEIN: Die böse Brust, JUNG: Die große Mutter), aber sie können ihre richtige Intuition kaum explizieren und ihre Schlüsse sind eher phänomenologisch reduktiv als struk-tural erschließend.

Verzehren und verzehrt werden ist – wie wir gesehen haben – das ursprüngliche Gesetz des Lebens in der Materie. Dahinter operiert Hunger. Leben wird von Hunger angetrieben. Hunger aber ist der Tod. Wir sterben, weil wir verhungern. Und nur durch Hunger leben wir. Irgendwo in der Bibel steht in etwa „er starb lebenssatt”. Solche Sättigung kann sich nur auf Erfahrung beziehen. Auch wer „lebenssatt” stirbt, ist materiell verhungert.

Leben gestaltet sich in materieller Substanz. Diese ist unendlich zerteiltes und struktural teilendes Wesen, das unendliche Einheit sucht und sich deshalb zusammenschließt. Wobei der Zusammenschluß wieder durch „teilen” erfolgt. Der basale soziale Prozeß des „Teilens” (auch als mit-teilen) ist letztlich die phäno-menolo-gisch konstitutive Struktur von Sozialität als Gemeinschaftlichkeit und Gesell-schaftlichkeit (oder zweckfreier und zweckgebundener Reziprozität).

Aus dem Kraftfeld zwischen den Polen von Zerteilung und Zusammenschluß ist das materielle Dasein konstituiert. Der Versuch des (In-)Dividuums sich darin zu behaupten und zu reproduzieren ist die Bedeutung von Verlangen. Das Subjekt strebt danach sich zu vermehren, wächst daher physisch und psychisch und zeugt. Psychisch wächst es indem es immer mehr Erfahrung in sich aufnimmt. Erfahrung ist gleichsam die Nahrung von Mentalität.

Unter der Bedingung von Physiologik kann sich Wachstum nur dadurch vollziehen, daß dessen Subjekt sich von seiner Umwelt nährt, indem es andere absor-biert oder sich deren Besitz aneignet. Das ist die Struktur von Hunger in all seinen Ausdrucksgestalten.

Der vitale Hunger von unterbewußter Lebenspraxis ist in der bewußten Mentalität in höhere Formen sublimiert, nämlich der Sehnsucht des Begehrens und der Spannung des Willens im Wissen-Wollen (oder im Wissensdurst). Hunger ist der Transmissionsriemen, der den Weltprozeß antreibt und im Begehren behauptet (oder reproduziert) sich Leben und wächst. Die Entwicklung beginnt mit dem Typus des sich gegenseitig verzehrenden Hungers, transformiert sich in den Typus des gegenseitigen Schenkens und zielt auf ein reziprokes ganzes Opfer : Der Knecht gibt sich an seinen Herrn hin und der Herr an den Knecht, so, daß sie ineinander erfüllt werden können. Der Mensch gibt sich Gott und Gott gibt sich dem Menschen. So transformiert sich das Gesetz des Hungers über Begehren und Wissensdurst in ein Gesetz der Liebe.

Aus dem Gesetz der Teilung wird durch teilen das Gesetz der Einheit. Das Gesetz des Todes (als ein Gesetz des Lebens) wird zum Gesetz der Unsterblichkeit. Das ist die Dialektik der Selbst-Erfüllung von Begehren. Die Maske des Todes, die sich das Leben aufgesetzt hat, ist darin ebenso gerechtfertigt, wie die Maske des Begehrens.

Unklar bleibt die Bedeutung von Unfähigkeit. Wir wissen aber bereits, daß Leben eine unendliche Kraft ist, die im Endlichen wirkt. Also muß deren Allmacht unter dieser Bedingung begrenzt sein. Daher erscheint uns unser endliches Leben als zumindest partielle Machtlosigkeit.

Diese phänomenale Wahr-Nehmung gilt allgemein. Jede individualisierte Lebens-Kraft muß gegenüber ihrem eigenen Bewußtsein begrenzt und unfähig sein, denn sie muß nicht nur in unvermittelter Zweitheit gegen eine letztlich übermächtige Vielzahl anderer individualisierter Lebenskräfte ankämpfen, sondern sie ist auch der Kontrol-le durch das Leben selbst unterworfen, das eine bestimmte Praxis vor-aus-setzt, die mit dem individuellen Willen und den Neigungen eines je konkreten Subjekts unter der Bedingung von Kultur im Normalfall nicht übereinstimmt. Deshalb ist Unfähigkeit das dritte Charakteristikum von sich ausdifferenzierend individualisierender Lebenspraxis.

Der Impuls sich auszuweiten und immer mehr und noch mehr „Selbst-Objekte” besitzen zu wollen besteht aber ohne von der phänomenalen Unfähigkeit beeinträchtigt zu sein. Diese bi-polare Spannung (als dem Mißverhältnis zwischen dem Impuls zu besitzen und der Kraft, in Besitz zu nehmen) erzeugt Begehren als sehnendes oder sogar süchtiges Verlangen und den Kampf gegen andere Lebenspraxen, die gleichfalls besitzen wollen. Deshalb ist der Kampf begrenzter Kräfte, die unter dem drängenden Antrieb des Begehrens ihre Fähigkeiten erweitern das erste Gesetz der Dialektik sozialer Lebenspraxis.

Leben ist also dreifach maskiert, nämlich als Begehren, Kampf und Tod. Diese dreifache Maske ist die Strukturierungsgesetzlichkeit von zerteiltem Leben. Sein Sinn ist die Überwindung von Zerteilung als ein zur Individualisierung gegenläufiger Prozeß von Individuierung.

Wir kennen zwischenzeitlich die Strukturhomologie von Mentalität und Leben: Eben so, wie das zerteilte und sich zerteilend ausdifferenzierende Mental als der Ur(auf)-he-ber von Begrenzung nur eine abgeschattete Ausdrucksgestalt des genuinen, integralen Mentals ist, genau so ist Leben nur der dunkle Schatten einer hellen Kraft, die unter der Bedingung von Materialität als der Ur(auf)heber von Begehren, Kampf und Tod hervortritt. Diese strukturale Beziehung charakterisiert die Dialektik der universalen Bewegung, deren Teil wir sind. Sie bestimmt die Begriffe unserer involutiven Evolution (oder evolutiven Involution).

Die ersten Begriffe von Leben sind Zerteilung, Wille (zunächst nur in dem Phänomen physischer Energie) und Machtlosigkeit (als Geworfensein in einen übermächtigen Kraft-Austausch). Die mittleren Begriffe sind Tod (mit dem „Sündenfall” sind wir in die mittlere Phase gefallen), aktives und passives Verzehren sowie bewußtes Verlangen. Und weil der Kampf um das Überleben auf den Widerspruch des Todes stößt, wird die sich ausdifferenzierende Lebenspraxis gezwungen (oder dazu benützt), Dauer eher für die Gattung zu suchen als für sich selbst. Das ist die Struktur der Dialektik von Selbsterhaltung und Arterhaltung. Arterhal-tung kann sie aber ohne die Mitwirkung von Anderen nicht leisten. Lebenspraxis ist daher genuin sozial. Leben kann sich nur unter der Bedingung von Reziprozität erhalten und transformieren.

Tod ist die nicht-identische Dimension von Leben, in der sich das Leben vor sich selbst verbirgt um sein positives Wesen zu zwingen, in den sozialen Kampf ums Überleben einzutreten, der eine gültige Ausdrucksgestalt der Suche (oder Sucht) des Lebens nach objektivierter (oder subjektivierter) Unsterblichkeit ist. Hunger und Begehren treiben diesen Prozeß an. Der Lebenskampf selbst führt dabei zur Vervollkommnung der Lebensformen. Dies ist in der DARWINschen Formel des „survival of the fittest” (etwas unglücklich und leicht mißverständlich) ausgedrückt.

Die Naturwissenschaften und die Psychoanalyse versuchen, das mechanische Prinzip der Materie auf das Leben anzuwenden, ohne zu erkennen, daß hier eine neue Struk-turierungsgesetzlichkeit wirkt, die das Mechanische transzendiert. Vitale Ich-Sucht, Instinkt und ag-gressive Selbstbehauptung enthalten in sich bereits die Bewegung ihrer Überwindung, denn es ist der Tod selbst, der Sozialität erzwingt um (Über-)Leben zu ermöglichen. So wird das Verlangen nach Familie, Freunden und sozialer Gerechtigkeit aus dem letztlich das Prinzip der Liebe emergiert.

Ganz natürlich ist Liebe in ihren Anfängen eine auf „Selbst-Objekte” ausgeweitete Ichsucht. Je mehr wir aber genuine Sozialität erfahren, um so mehr de-zen-trie-ren wir uns und erkennen im Verlauf dieses Prozesses, daß das naturwüchsig narzißtische (In-)Dividuum nicht das Zentrum des Universums ist, sondern nur durch das weltumfassende und weltdurchdringende Eine und Ganze existieren kann, dessen ungeteilter Teil es ist und daß es dieses Vor-Bild ist, das zu werden das Dividuum in seiner sich (sein Ich) integrierenden Individuierung anstrebt.

So gelangen wir Schritt für Schritt an den Punkt, wo wir uns der Wahrheit öffnen müs-sen, daß zumindest alle humane Lebenspraxis durch ihre eigene Natur einen drit-ten Zustand anstrebt, in dem die formal-phänomenalen Begrenzungen von Leben für uns im dreifachen Sinne aufgehoben sind.

Erreichen wir diesen Punkt, so hat sich unser narzißtisch ich-süchtiges, hungrig verschlingendes Begehren notwendig schon in umfassende Liebe transformiert, die den Anderen nicht mehr (gleichsam) auffressen muß, um ihn in sich aufzunehmen, denn wir haben dann den Anderen schon als andere Art und Weise des Gegebenseins unseres einen Selbstes in uns.

Die Anderen in uns werden dabei nicht generalisiert, sondern – im Gegenteil – als ungeteilte Teile (oder institutionalisierte Verdichtungen) des Unteilbaren in höchstem Maße individuiert und zu unserem Selbst integriert. Wenn dies so geschieht, dann ist unsere Entwicklung zum auch geistig umfassenden und durchdringenden Menschen (oder zum Über-Menschen) hin unwiderruflich bestimmt. Und die wahre, erste und letzte Einheit, auf die wir uns dann erkennend zu bewegen, ist gleichfalls keine von Entgrenzung, sondern ebenso eine Vereinigung über Grenzen hinweg, die zwar aufgehoben aber nicht genichtet, sondern im Gegenteil in ihrer Bedeutung erkannt und anerkannt sind.

Wie wir gesehen haben, beginnt Leben seine Praxis mit Zerteilung. Die Grundlage dieser Zerteilung ist das Unteilbare als das Atom im literalen (nicht im physikalischen) Sinne des Wortes. Als materielle Basis aller Form ist es von allen anderen Atomen abgesondert, mit denen es eine formale Einheit bildet. Es kann weder zerstört, noch aufgelöst noch verschmolzen werden. (Die Atom-Bombe kann nur einen aus Atomen zusammengesetzten Kern als Nicht-Atom spalten oder fusionieren.) Das Atom ist gleichsam das Ich der Materie, das sein Dasein erfolgreich abgrenzt und mit sich identisch in allen Zerteilungen enthalten ist ebenso wie in allen Zusammenschlüssen zu denen es mechanisch gezwungen wird.

In der zweiten Phase der Entwicklung von Leben tritt zu der physischen Struktur Vitalität hinzu, deren Form im Tod aus-ein-ander gebrochen wird, so, daß die Elemente einer je konkreten Lebenspraxis als „Bausteine” in die elementare Formung einer anderen eingehen . Damit sind zwei widerstreitende Prinzipien erkennbar: Einmal der Wille des gesonderten Ichs seine Identität zu bewahren und einmal der Zwang mit Anderen zu einer Einheit zu verschmelzen.

Der strukturale Grund für diese doppelt gebundene Dialektik liegt in der Notwendigkeit, innerhalb des ständig strömenden Energieflusses und der Einheit, relativ stabile besondere Formen zu schaffen, die ein gesondertes Entwickeln von Individualität ermöglichen. Dieses außerordentlich schwierige Problem ist dadurch gelöst, daß die individuelle Form des Atoms als erste und letzte causa materialis unverändert in der Zeit beharrt und damit in ihrem Zusammenschluß Aggregate ermöglicht, deren Dasein je nach der Kohärenz der Zusammen-Setzung kürzer oder länger dauern kann.

Damit ist die Basis von Individualisierung gegeben. Sobald diese aber erreicht ist, schlägt der Prozeß in sein Gegenteil um. Die individuelle Form eines je konkreten (Noch-Nicht-)Individuums wird zerbrochen und seine Elemente werden zum Aufbau Anderer herangezogen.

Die nächste Stufe muß dann die aufhebende Synthese beider Prinzipien sein. Das heißt aber ganz klar, daß das Individuum auf dieser Stufe im Bewußtsein seiner (dann gegebenen) Individuiertheit bleiben und zugleich mit Anderen verschmelzen kann ohne sein Überleben unterbrechen zu müssen.

Dies impliziert mentale Ausgewogenheit von selbst-reflektivem Bewußtsein, denn Vitalität könnte ohne solche Ausgeglichenheit nur ein temporäres, labiles Gleichgewicht sein, das über kurz oder lang notwendig in Tod und Vergessen fallen muß.

Die Strukturierungsgesetzlichkeit körperlichen Lebens schließt die Möglichkeit aus, daß es eine individuelle Form geben könnte, die (ebenso wie das Atom aus dem sie zusammengesetzt ist) dauerhaft in der Zeit beharrt. Das Mental muß also auf der nächsten Stufe schon sehr weitgehend entwickelt sein, denn nur eine Men-ta-lität, die in der Lage ist Vergangenheit und Zukunft kontinuierlich verknüpft zu halten, kann den Ab-Grund des körperlichen Todes überbrücken ohne zu vergessen.

Dies klingt reichlich phantastisch, ist es aber nicht, denn jeder denkende, selbst-ref-lektive Mensch wird sich bereits auf seinem aktuellen mentalen Entwicklungsstand einer vergangenen kollektiven Lebenspraxis bewußt, die ihn bestimmt und ahnt die zukünftige Entwicklung der geistigen Gemeinschaft, der er angehört und in die seine eigene Kontinuität gleichsam als ein Faden eingewoben ist.

Das, was in der Biologie als Vererbung bezeichnet wird, ist ganz strukturhomolog zu dem, was sich der hinter der Mentalität entfaltenden Seele zunehmend als eine Art von fortdauernder Personalität deutlich wird. Unsere geistigen „Väter” sind in uns und so werden auch wir in unseren geistigen „Kindern” sein.

Der Mensch ist nicht nur biologisch die Reproduktion, Transformation und aufhebende (oder vermittelnde oder versöhnende) Entwicklung einer individuellen Vergangenheit individueller Biographien, die seine aktuell konkrete Lebenspraxis erzeugt haben und bestimmen. (Das ist die begrenzte Wahrheit im Irrtum von LAMARCK.)

Die bewußte Entfaltung und Erhaltung von Individuiertheit und das bewußt als notwendig (um Not zu wenden) erkannte und anerkannte Verlangen nach zweckfreier sozialer Reziprozität (oder Austausch) und Verschmelzung (oder Synthese) mit anderen Individuen zu einem kollektiven Wir erzeugen in ihrer spannungsvollen Dialektik dann das Kraftfeld, aus dem das Prinzip der Liebe seine Wirksamkeit erhält.

Ganz unabhängig davon, was dann ihren Platz einnimmt, hört das Wirken von Liebe auf, sobald eine ihrer beiden dialektischen Möglichkeitsbedingungen ( Individuiertheit und Verschmelzung) nicht mehr erfüllt ist. Deshalb ist die Idee der Erfüllung von Liebe durch ein völliges Sich-Opfern nur eine Illusion von Selbst-Vernichtung.

Nach dem aktuellen Entwicklungsstand der Menschheit befinden wir uns in einer Phase, wo wir den Kampf ums Über-Leben durch wechselseitiges Auffressen und den „survival of the fittest” durch diesen Kampf übersteigen: Es kommt zunehmend zu einem Überleben durch wechselseitige Hilfe und zur Selbst-Vervollkommnung durch (wechselseitigen) Austausch. Soziale Lebenspraxis ist zwar ganz eigentlich Selbst-Behauptung und sogar Entwicklung und Überleben des Ichs, aber das Wesen, das sich darin selbst behauptet, braucht dazu notwendig die anderen Wesen, denn sonst entfiele seine wesentliche Wir-Dimension. Daher (ver-)sucht das Ich solcher Praxis im Prozeß seiner Individuierung ständig sich mit dem Ich anderer Menschen zu einem Wir zu vereinigen und sie in sich aufzunehmen ebenso wie es in deren Leben einbezogen sein will. Das ist die Struk-turgesetzlichkeit der dritten Art des Gegebenseins der involutiven Evolution.

Auf dieser Stufe der Entwicklung des Menschen sind genau diejenigen individuellen oder kollektiven Subjekte des Prozesses am „fittest[en]“, die in ihrer sozialen Praxis die Möglichkeit von Gemeinschaftlichkeit und Liebe am meisten verwirklichen. Der nur an Gesellschaftlichkeit orientierte Rollenspieler ist ein Auslaufmodell. Was in dieser Phase zählt ist allgemeine Hilfe, Freundlichkeit, Herzlichkeit und Kameradschaftlichkeit.

In der Gesellschaft der in diesem Sinne Tüchtigsten (oder Fittesten) kann das Individuum ebenso individuieren wie – genau dadurch – die Gesellschaft selbst. Dort fördert der Einzelne den Einzelnen, die Gemeinschaft die Gemeinschaft und die Gesellschaft die Gesellschaft, die den Einzelnen fördert, der die Gemeinschaft fördert, welche die Gesellschaft fördert und der ganze Verbund wächst autopoietisch über sich hinaus. Das ist die causa efficiens (Liebe), formalis (Gesellschaft) und finalis (sich übersteigendes Wachstum) des Prozesses in diesem Stadium. Die causa materialis ist letztlich nach wie vor und vollkommen unverändert das Atom.

Was im Bereich des körperlichen Begehrens Liebe genannt wird, ist nur eine Form von Hunger ohne Dauer. Sobald das eine Liebes-Objekt vernascht worden ist, muß das nächste her, das man dann auch wieder nur zum Fressen gern hat. Dort, wo Liebe aber ein Prinzip von Leben ist und durch das Herz wirkt, kann sie beständige Dauer erlangen, muß aber bewußtlos und fallibel bleiben, wenn sie nicht vom Mental reflektiert und in sich aufgehoben wird. Deshalb ist die obige Entwicklung für die Herrschaft des Mentals bedeutsam. Das Mental muß nicht verzehren um in sich aufnehmen und wachsen zu können. (Wenn wir aus Wissensdurst ein Buch verschlingen, denn haben wir es dadurch weder körperlich aufgefressen noch sonstwie beschädigt oder beinträchtigt.) Und es empfängt und wächst um so mehr, je mehr es sich (projektiv) hingibt (oder ver-äußert). Und je mehr es mit anderen verschmilzt, um so mehr nimmt es diese (introjektiv) in sich hinein (oder ver-innert) und vermehrt so die umfassende Weite und Tiefe seines Wesens.

Körperliche Lebenspraxis begehrt zu empfangen, nicht aber sich hinzugeben. Auf der Stufe der sich bewußten Liebe ist diese Asymmetrie dann in Symmetrie aufgehoben, das Ungleichgewicht ist ausgeglichen und das so transformierte Begehren wird erfüllt.

Im Zusammenschluß wird klar, daß das Bemühen des Menschen Selbstbehauptung und Freiheit mit Gemeinschaft und Liebe zu verbinden und so seine sozialen Ideale von Gleichheit und Brüderlichkeit zu verwirklichen, nichts anderes ist, als der durch die strukturierende Real-Dialektik des Lebens in der Materie schon vorbestimmte Versuch, die darin enthaltenen Widersprüche aufzuheben und damit das zentrale Problem des Lebens zu lösen.

Was könnte die Lösung sein? Die französische Revolution war es nicht und der real existierende Sozialismus hat sich in sein Gegenteil verkehrt. Es muß eine soziale Lösung in der Lebenspraxis selbst sein, im Handeln und im Bewußtsein der Menschen. Es war Bewußtsein, das den Weltprozeß angestoßen und dessen Probleme willentlich verursacht hat, also müssen diese auch von Bewußtsein gelöst werden, wenn der Weltprozeß gelingen soll. Und das soll er, denn sonst wäre er nicht in Gang gesetzt worden.

Betrachten wir die sequentielle Entfaltung von Leben, so sind drei aufeinander aufstufende Phasen erkennbar: Die Phänomene der ersten Stufe sind materiell, das Bewußtsein ist dahinter verborgen. Die der zweiten sind vital, das Bewußtsein tritt hervor. Und die der dritten sind mental, ein hervorgetretenes, sprachmächtiges Bewußtsein reflektiert die „brute facts“, mit denen es konfrontiert wird, qualifiziert sie im PEIRCEschen Dreier-Takt (Repräsentanz  Relation Qualität ) zum Sein hin und versucht deren Dasein für sich innen und außen umzugestalten, was ihm aber nicht so recht gelingt.

Der Mensch hat noch keine Herrschaft über seine Wirklichkeit gewonnen und das ist der entscheidende Punkt. Der Mensch ist das mentale Bewußtsein, das als mentale Kraft wirkt und doch reichen seine Fähigkeiten nicht hin, um das Leben im allgemeinen oder seine eigene Lebenspraxis zu bemeistern. (Er ist eher der Zauberlehrling, der die Geister, die er rief, nicht mehr los wird.) Aber er resigniert nicht, sondern versucht Materie, Leben und Mentalität zu erkennen um sie beherrschen zu können und er versucht sich selbst zu erkennen um sein eigener Herr zu werden. So versucht er die Welt zu erkennen um zum Herrn der Welt zu werden. Das ist der machtvolle Drang des Seins in ihm, der Zwang des Bewußtseins, das er ist und der Impuls der Kraft, die sein Leben ist.

Und er ist auf dem Weg, den zu gehen er gezwungen ist, schon voran geschritten. Er reflektiert in seinem Bewußtsein den brute fact des Lebens als mentalen Sinn (die vorliegende Arbeit beweist das), reagierende Wahr-Nehmung und Real-Idee. Zugleich wird er selbst zu einem neuen Faktum von Leben, weil er auf der Basis seiner Erkenntnis handelt und sich und seine Welt (um-)gestaltet.

Worum geht es also? Was ist zu tun? Es geht ganz zentral darum, die Bedingungen zu ent-decken, unter denen dieses innere und nicht hintergehbare Drängen aus der unvermittelten Zweitheit des Kampfes in vermittelte Drittheit auf-gehoben und damit zu-Frieden-gestellt werden kann. Dies zu leisten sind wir durch die Natur unseres eigenen Seins gezwungen. Es ist die aktuelle Forderung unserer Bewährungsdynamik. Sie ergibt sich aus der eigentlichen Logik (als dem inneren Kontext) der Entwicklung zum Über-Menschen hin: Weil unser mentales Bewußtsein noch nicht vollständig aus dem Schatten der Materie in das Licht der Vernunft getreten ist, kann die Evolution mit der Entwicklung des Menschen nicht aufhören. Sie muß über ihren aktuellen Begriff in ihm hinausgehen, oder sogar über ihn selbst, wenn er nur noch im Kreise läuft und nicht vowärts kommt.

Eine mentale Idee muß auf ihrem Weg zur Real-Idee (oder zum Lebens-Faktum) sich so lange immer fort entfalten, verbergen und entbergen (oder ausdrücken und dahinter einbehalten), bis sie sich selbst aus ihren aufstufenden Maskierungen als ganze Wahrheit des Daseins offenbart und sich in der ganzen Macht ihres ungeteilten Bewußtsein zur Erfüllung bringt.

Der dritte Begriff, in dem sich Macht und Licht als die ihn konstituierenden treffen und zur Erfüllung bringen ist Glück. (Das haben die Väter der amerikanischen Verfassung intuitiv gestaltsicher erkannt und den pursuit of happiness als ein Grundrecht des Menschen festgeschrieben. Leider hielten und halten es die Amerikaner aber eher mit der Macht als mit dem Licht.)

Für unsere sich entwickelnde Lebenspraxis muß dieses Ziel notwendig bedeuten, daß wir uns selbst (unser Selbst) ent-decken. Dies ist die Wahrheit, die in dem Irrtum der Psychoanalyse enthalten ist. Wenn wir dieses Selbst finden, das uns eingeboren worden ist, dann können wir daraus all das ausarbeiten, was in der Bewegung der bewußten Kraft, aus der dieses Leben hervorgegangen ist, immer schon und immer noch enthalten ist.

Daraus folgt dann zwingend die Synthese als Vermittlung von individueller und universaler Lebenspraxis, so, daß die so vereinte Menschheit in ihrem kollektiven Bewußtsein das reflektieren kann, was sich in diese Form der Dinge ausgeprägt hat.

Die Ausprägung selbst (oder der Charakter von konkreter Lebenspraxis) hängt von der grundlegenden Symmetrie (oder dem Gleichgewicht) der Kräfte ihres konstitutiven Bewußtseins ab. Ganz genau so, wie das bewußte Bewußtsein selbst strukturiert ist, muß auch dessen Kraft sein. Dort, wo das Bewußtsein unendlich ist (also seinen Produktionsweisen und Produkten gegenüber auch dann noch transzendent, wenn es diese umfaßt, durchdringt, gestaltet und vollzieht) ist es auch die Kraft. Wo sich das Bewußtsein aber der materiellen Natur angleicht, sich in diese eingrenzt und selbstvergessen (oder in seine eigene Tiefe versunken), anscheinend ohne sie zu (er-)ken-nen, in der Strömung seiner eigenen Kraft hilflos dahintreibt, da muß auch die Kraft eben so sein. Sie erscheint uns dann als eine ungeheuere, rohe und dumpfe Bewegung des Trägen und Unbewußten, die nicht weiß, was sie in sich enthält und sich rein mechanisch durch eine Art von unergründlichem, chaotischen Zufall erfüllt. (So z. B. wenn der Flügelschlag eines Schmetterlings am Amazonas einen Wirbelsturm in China auslöst.) Und doch vollzieht sie – ohne ein einziges Mal zu irren – in ihrer Wirklichkeit gewollte Kausalität gleichsam als Exekutive des genuinen Mentals, das diese gesetzt hat.

Wenn das Bewußtsein – wie in unserem Mental – in sich zerteilt ist, sich differenzierend zentriert und jede der so gewonnenen für sich differenten zentralen Positionalitäten isoliert als Eines (oder ein Ganzes) setzt und die schizoiden Abspaltungen notwendig paranoid zur Selbst-Verwirklichung einsetzt ohne (aus der Perspektivität der je konkreten Positionalität) zu wissen, was in den anderen Zentren ist, ja nicht einmal weiß, in welcher Beziehung es zu den anderen steht, dann kann es die Dinge und Kräfte nur in ihren scheinbaren Zerteilungen und Widersprüchen sehen und die Kraft muß Leben sein. Und zwar ganz genau solches Leben, wie wir es sind und um uns herum (sic!) sehen, weil wir es so sehen müssen. Nämlich als einen egoistischen und grausam geführten Kampf Aller gegen Alle, sei es im Dschungel oder an der Wall-Street.

Das sich dabei vorübergehende, per se brüchige Allianzen und soziale Aggregate bilden resultiert nur daraus, daß der Einzelne seine Schwäche erkennt und dadurch an Kampfkraft zu gewinnen versucht, daß er sich mit Anderen verbindet und verbündet.

Bestenfalls sehen wir noch eine soziale Verflochtenheit der individuellen Lebenspraxen, in der jede die eigene Erfüllung sucht ohne ihre Beziehung zu anderen zu kennen. (Dies Defizit soll aktuell durch eine Soziologie ausgeglichen werden, die in einer ihrer wirkungsmächtigsten Verirrungen das Subjekt aus dem sozialen System ausgrenzt und in dessen (verschmutzte) Umwelt verbannt.)

Wir sehen also soziale Konflikte und schwierige Anpassungen gegensätzlicher Kräfte. Ganz strukturhomolog dazu zeigt uns die Psychoanalyse in den Mentalfunktionen eine unsichere Kombination getrennter, opponierender und auseinanderstrebender Ideen, die miteinander kämpfen und nicht zur Erkenntnis ihrer wechselseitigen Notwendigkeit und Bedingtheit gelangen, die sich nicht als selbst-referentielle Bausteine der Einheit begreifen können, die sich in ihnen gültig ausdrückt.

Dort, wo das Bewußtsein aber sowohl die Einheit als auch die Differenz besitzt und jene diese enthält und beherrscht, wo es das universale Gesetz, die universale Wahrheit und das universale Recht zusammen mit Gesetz, Wahrheit und Recht des Einzelnen wahr-nimmt, wo die ganze Art des Gegebenseins von Bewußtsein das Eine ist, das sich als die Vielen erkennt und die Vielen, die sich als das Eine wissen, dort ist die Kraft ein Leben, das bewußt dem Gesetz der Einheit gehorcht und doch jedes Ding nach seinem eigenen Gesetz (oder seiner materialen Formenlehre) voll entfaltet und zur Geltung bringt.

In solcher Praxis leben die Individuen zugleich in sich (ihrem Ich) selbst und in-ein-ander (in der Ein-heit, die auch den Anderen umschließt). Das ist die Erfüllung von Sozialität und kollektivem Bewußtsein, denn sie sind dann ein einziges kollektives Individuum (oder Subjekt) in vielen Seelen. (Das ist struktural so ähnlich wie eine relationale Datenbank, die aus verteilten aber miteinander vernetzten Systemen besteht, so, daß jeder einzelne Computer des Netzwerks auf das gesamte Wissen zugreifen kann und dies in seinem virtuellen Hauptspeicher – gleichsam seinem kollektiven Bewußtsein – verfügbar hat.)

Ein Ansatz dazu hat sich in dem kollektiven Deutschen des Nationalen Sozialismus gezeigt. Dieser Ansatz mußte zunächst scheitern, eben weil er sich (biologisch rassistisch) eingegrenzt und Andere aggressiv ausgegrenzt hat. Es ist gleichsam ein völkisches Ich-Subjekt entstanden, das den Kampf Aller gegen Alle nur von der Ebene des Einzelnen auf die von Völkern übertragen hat, was den Kampf notwendig nicht überwinden konnte, sondern im Gegenteil zu der bislang umfassendsten Aus-ein-ander-setzung der Menschheit führen mußte. „Mein Kampf” war dann zwar ein kollektiver, aber es war einer der aggressiven Selbstbehauptung (nicht der Ego-Dezentrierung als Selbstüberwindung) unter der Bedingung der Differenzierung zwischen dem Deutschen und dem Juden, so, daß der Jude dann das andere kollektive Subjekt (oder Ich) war, das ebenfalls einen Anspruch auf Besonderheit als Auserwähltheit (der Jude war von Jahwe auserwählt, der Deutsche von der Vorsehung) für sich reklamierte, so, daß diese Konkurrenz im Kampf entschieden werden mußte. (Das ist wie beim Highlander, es kann dann immer nur einen geben.) Nun hat der Deutsche diesen Kampf (material) verloren und kann daher seine Begrenzung für sich geistig aufheben und einen Nationalen Sozialismus auf geistiger Ebene verwirklichen. Der Jude aber hat ihn (nur material, nicht geistig) gewonnen und muß ihn daher gegen den Palästinenser (und andere) fortsetzen, wenn dieser die nationale und rassistische Besonderheit (als Auserwähltheit) des Juden in Frage stellt.

Die Positionalität, aus deren Perspektivität der Fortschritt der Symmetrie von bewußtem Bewußtsein und Kraft emergieren kann, ist ganz basal die des Hen Kai Pan. Solange, wie wir das Eine aus dem Alles ist nicht bewußt (re-)introjeziert (oder in unsere leere Mitte hinein vollzogen) haben, kann unser bewußtes Bewußtsein nicht der bewußten Kraft entsprechen. Wir können dann bestenfalls einen kleinen „Teil” unseres Wesens wahr-nehmen, nämlich die äußere Oberfläche (oder ausgedrückte Gestalt) von Mentalität, Vitalität und Leib und auch das nur sehr unvollkommen.

Unterhalb der Grenze der Erfahrbarkeit operiert dann machtvoll und in seiner unverstandenen Wirklichkeit furchteinflößend und be-ängstigend das „Unbewußte” (oder das Unterbewußte oder das nicht erkannte Bewußtsein) als der große, nicht-identi-sche Teil von uns, den wir nicht wirklich erkennen und beherrschen können, sondern der uns erkennt und beherrscht und unsere brüchigen Ich-Kon-struktionen (oder Identitäten) immer wieder zu Fall bringt.

Weil Sein, Bewußtsein und Kraft eine Einheit ist, können wir nur über denjenigen Teil unseres Daseins wirkliche Macht ausüben, mit dem wir bewußt identisch sind. Das, was übrig bleibt – wenn wir mit unserem scharfen Verstand aus dem unendlichen Ganzen den begrenzten Teil heraus geschnitten haben, den wir dann Ich nennen und mit dem wir (in unserer Ich-Identität) identifiziert sind – muß von seinem „eigenen” Bewußtsein regiert bleiben, weil wir es ausgegrenzt (oder nicht in uns aufgenommen) haben.

Weil die Struktur an sich aber nicht zerteilt werden kann, bleiben beide Bewußtseine eine einzige Bewegung, die ganz natürlich von dem größeren und stärkeren „Teil” bestimmt wird. Deshalb werden wir auch in unserem bewußten Dasein von dem Bewußtsein jenseits unserer Ich-Grenze (uns) unbewußt (oder unterbewußt) bestimmt. Selbst bei unserer sehr eigentlichen Selbst-Überwindung, -Lenkung und -Be-mei-ste-rung sind wir nur das Instrument dessen, was uns als das Unbewußte in uns erscheint.

Es ist (einmal mehr) offen sichtlich, daß der Mensch seine begrenzte und begrenzende Mentalität bewußt übersteigen muß. Es wäre aber ganz falsch, dies dadurch zu versuchen, daß man sich in einem regressiven Prozeß mit Hilfe von Meditations-techniken oder Drogen in die Tiefen des Unbewußten versenkt, denn dies widerspricht der Gerichtetheit des Weltprozesses und wäre ein Rückschritt. Nein, der nächste Fortschritt kann nur darin bestehen, den Anderen als eine andere gültige Ausdrucksgestalt (oder Art des Gegebenseins) des Einen zu erkennen, als Anderen anzuerkennen und sein zu lassen ohne ihn umgestalten zu wollen, und dann (das ist schon der zweite Schritt) im wechselseitigen Austausch sich selbst (das eigene Selbst) im Anderen zu erkennen und anzuerkennen. Die Vollendung der (so bereits begonnenen Vereinigung oder Synthese) über die als Grenzen anerkannten Grenzen hinweg, kommt uns dann als dritter Schritt wie selbst-verständlich (oder parallel gleichläufig zum Verständnis des Selbstes) zu.

Das vorläufige Ergebnis (das Vierte oder die Bedeutung der sinnhaften Drittheit) ist ein genuiner Nationaler Sozialismus mit glücklichen, individuierten, ganzen Menschen, die in ihrem Glück nicht nur das der anderen Menschen, sondern auch das der Tiere und Pflanzen befördern und sich (ihr Ich) dabei notwendig transzendieren und ihre derivative Mentalität der genuinen angleichen. So wird der Mensch zum Gott (oder zum Über-Menschen) und die Erde zum Paradies.

Die Verblendung des Wissens (oder Bewußtseins) in der Welt, welche die Phänomene für uns erzeugt, wird von der Wahrheit desselben Wissens bestimmt, das notwendig die strukturale Wahrheit hinter den Erscheinungen kennt und für uns die Bejahung bereithält, auf die sie hinwirken. Der partikulare (oder zerteilte) Mensch des äußeren Scheins (ganz unabhängig davon ob es sich dabei um eine Promi-Party-Schlampe oder einen Nobelpreisträger für Physik handelt) muß und wird den wirklichen Menschen in sich finden, der in der bewußten Einheit mit seinem bewußten (oder wissenden) Selbst zu dessen Herrn und damit zugleich zum Herrn der Welt und ihres strukturalen Prozesses wird.

Noch weniger allerdings, wie der aktuell reale Mensch sich selbst (sein Selbst) kennt, kennt er den Anderen (i.e. die anderen Ausdrucksgestalten von Lebenspraxis. Der Andere schließt alles ein, was formal lebt). Er beobachtet dessen Handeln und Verhalten, abduziert, deduziert und induziert und gelangt so zu Theorien. Zugleich besitzt er (wenn auch noch unvollkommen) eine gewisse Befähigung mit-zu-fühlen (oder Emphatie).

Aus Theorie und Emphatie bildet er dann – mit Hilfe derselben Sprachlichkeit (i. e. Logos und Logik), die ihn auch zu seinen Theorien geführt hat – ein ungefähres mentales Konstrukt. Diese Konstruktion ist aber als Konstruktion keine Erkenntnis, sondern davon kategorial verschieden. (Das ist das, was der De-Konstrukti-vismus ahnt ohne es wirklich explizieren zu können.)

Erkenntnis kann – wie wir gesehen haben – nur innerhalb eines Prozesses bewußter Identifizierung aus bewußter Identität entstehen. Wahres Wissen ist nichts anderes als ein seiner selbst bewußt gewordenes, verinnertes Sein. Was wir sind können wir nur in-so-weit erkennen, wie wir uns bewußt verinnern. Das Übrige, das nicht in uns aufgenommen ist, sondern außen vor bleibt, bleibt damit jenseits der Grenze von Er-fahrbarkeit und ist uns daher nach wie vor ver-borgen. Wir haben es dann immer noch der Welt geliehen und können es daher nicht besitzen, bis wir es wieder zurück fordern und erhalten haben.

Wenn die Erkenntnisoperationen selbst mittelbar und unvollkommen sind, dann muß auch das so erlangte Wissen mittelbar und unvollkommen sein. Wir können damit bestenfalls einen bestimmten Grad von Ungenauigkeit erreichen, der uns in die Lage versetzt, unsere sprachlich konstituierte Welt-Konstruktion (in der wir bewußt handeln) dem realen Mesokosmos unserer alltäglichen „Lebens-Welt” (in dem wir uns unbewußt handeln) pragmatisch anzugleichen, so, daß dort, wo wir eine Tür erkennen auch eine ist und wir mit unserem transzendenten Körper nicht gegen die trans--zen-dente Wand laufen, wenn wir durch sie hindurch gehen. Das ist höchst praktisch und wir können begrenzte praktische Ziele erreichen, notwendige und brauchbare Maßnahmen ergreifen und eine Beziehung zu dem, was wir erkennen, herausarbeiten. Eine wahre Beziehung zu dem Objekt unserer Erkenntnis erhalten wir aber nur durch eine bewußte Identifizierung (oder Einung). Wir müssen uns also ganz bewußt synthetisieren, denn anders können wir die notwendige Einheit nicht erlangen.

Daß wir eine philanthropische Position beziehen und unseren Mitmenschen Sympha-tie ent-gegen-bringen (die aus dem von mentaler Erkenntnis erzeugten Verstehen re-sultiert) reicht nicht hin, denn lebenspraktisches Verstehen muß notwendig (ebenso wie die klassische Psychoanalyse, die darauf aufruht) innerhalb der Grenzen von Er-kenntnis des nur vordergründigen Daseins verbleiben. Solches Verstehen ist daher in sich unvollkommen, trägt nur in der bewährten Routine des alltäglichen, möglichst rollenförmigen Handelns und wird durch die dramatisch hereinbrechenden Krisen der Konfrontation mit dem vollkommen unverständlichen, übermächtigen und unkontrollierbar spontanem Wirken des (für uns) Unbewußten (als dem nicht in das bewußte Bewußtsein aufgenommenen oder wieder daraus heraus gedrängten) bestritten und barbarisch ent-täuscht.

In unserer alltäglichen, routinisierten Lebenspraxis ist uns deren größerer An-Teil nicht bewußt. In diesem Ausgleich der Kräfte unter der Bedingung von sozialer Normalität können wir nicht bewußt über sie verfügen, denn unsere bewußte Natur wird in all ihren Aktivitäten durch das begrenzte und begrenzende Ich an den Marterpfahl der differenzierten Individualität gefesselt. Wir leiden, aber wir wissen nicht so recht warum. Erst dann, wenn es uns gelingt unser Ego zu dezentrieren, beginnt der Prozeß der Befreiung. Er wird durch diese zentrifugale Bewegung initiiert und vollzieht sich genau so lange, wie dieses Bewegung fortdauert. Alles weitere kommt uns dann analog zu der wachsenden Erkenntnis unseres Selbstes wie selbst-ver-ständ-lich zu.

Wir sollten also so bald wie möglich damit beginnen, unsere Ich-Sucht zu überwinden indem wir ganz bewußt unser falsch konstituiertes Ich aus dem Mittelpunkt unseres Lebens entfernen und in die dann frei gewordene Mitte unser Selbst hinein vollziehen und mental reflektieren.

Das ist (ganz literal) außerordentlich schwierig und mühsam, denn die involutive Evolution selbst hat uns Kraft und Bewußtsein voneinander getrennt: Als erstes gibt es die Trennung für sich in den drei sequentiell aufeinander aufstufenden Formationen von Materie, Leben und Mental, von denen jede einzeln ihre eigene Fallstrukturgesetzlichkeit als ihr eigenes, konfligierendes Gesetz des Wirkens hat. So kämpft das Leben gegen den Körper (oder Vitalität gegen Körperlichkeit), unterwirft ihn und versucht ihm die Befriedigung seines Begehrens abzunötigen. Dabei verlangt es von seiner begrenzten Fähigkeit, was nur dem Leib eines Gottes möglich wäre. Der unterworfene und versklavte Körper leidet darunter und rebelliert gegen solche Tyrannei.

Das Mental kann sich dabei nicht entscheiden, für wen es Partei ergreifen sollte und kämpft gegen beide um sich ihrer zu bemächtigen. Dabei versucht es zugleich sowohl den Körper gegen den vitalen Drang zu schützen als auch dem Leben gegen die Resistenz des Körpers zu helfen. Letztlich will es aber doch nur die Energien seiner Kontrahenten in seine Macht bekommen und für seine eigenen Zwecke (instru-)men-talisieren, nämlich für ein Maximum an Freude an seiner mentalen Aktivität, also für die Erfüllung mentalen, ästhetischen und emotionalen Begehrens in seiner Praxis. Deshalb hält sich auch das Leben für geknechtet und mißbraucht und rebelliert gegen das egoistische, nur halbwissende (oder unweise) Mental, das seiner Struktur nach der gleiche Tyrann ist wie es selbst.

Das ist die Struktur des Kampfes in uns, den das Mental nicht befrieden kann, weil es ihm nicht möglich ist, seinen egomanischen (oder Ich-süch-ti-gen) Machtanspruch in sozial legitimierte, von Körper und Leben anerkannte Herrschaft zu transformieren, ohne diesen Anspruch aufzugeben, was aber seinem Selbst-Verständnis nach seiner psychischen Vernichtung (zumindest der Kapitulation seines Ichs) gleich käme, so, daß es diese Möglichkeit nicht aktualisert.

Das ist aber nur die Beschreibung des Phänomens. Schichten wir es auf seine Bedeutung hin ab, so zeigt sich dahinter die Strukturierungsgesetzlichkeit einer Konfrontation mit einem schier unlösbaren Problem, nämlich der nicht still stellbaren Sehnsucht des unsterblichen Wesens in einem sterblichen Leib und Leben. Deshalb kann das Mental uns nicht wirklich befrieden. Es kann nur faule, höchst fallible Kompromisse schließen oder sich rückschreitend (mit dem Materialisten) der Sterblichkeit des äußeren Wesens unterwerfen oder ebenso rückschreitend (mit dem Asketen) das irdische Leben verurteilen und verwerfen. Und nichts davon löst das Problem.

Und dann gibt es noch die fundamentale, asymmetrische Trennung zwischen der Kraft seiner Natur und dem bewußtem Wesen. Diese Differenz ist die Ur-Sache jeglicher (auch der obigen, auch meiner in diesem Text ausgedrückten) ungenü-genden Leistung. Es gibt nicht nur die Trennung zwischen mentalem, vitalen und physischem Wesen sondern jedes von ihnen ist sich selbst gegenüber gespalten. Die Leistungsfähigkeit des Körpers ist geringer als die des bewußten Wesens oder seiner instinktiven Seele in ihm. Die Leistungsfähigkeit der vitalen Kraft ist geringer als die der bewußten Vitalität oder der impulsiven Seele in ihr. Und die Leistungsfähigkeit der mentalen Energie ist geringer als die des mentalen Wesens oder der intellektuellen und emotionalen Seele in ihr. Dies kann nicht anders sein, weil die Seele das innere Bewußtsein ist, das nach seiner zeitlos gültigen Selbst-Verwirk-lichung strebt und deshalb umfassender sein muß, als nur temporäre (in-)dividuelle Gestaltung.

Die Kraft, die ihr Gleichgewicht in einer je konkreten Formation gefunden hat, wird von ihrer eigenen Seele stets aus ihrer Normalität heraus gedrängt. Sie wird ständig angetrieben und es ist für sie außer-ordent-lich schwierig, dem zu entsprechen (oder ihre Leistungsfähigkeit adäquat zu entwickeln).

Wenn die Kraft versucht, den schier unerfüllbaren Anforderungen der seelischen Drit-theit (oder dreifachen Seele) zu genügen, wird sie äußerst unruhig und dazu getrieben Instinkt gegen Instinkt, Impuls gegen Impuls, Emotion gegen Emotion und Idee gegen Idee zu setzen; diese zu befriedigen und jene zu verwerfen, nur, um voller Reue ob ihres Tuns alles, was sie getan hat, wieder zu ändern, auszugleichen, neu anzupassen und so immer fort ad infinitum ohne je zu einem dauerhaft gültigen Prinzip von Einheit gelangen zu können.

Im Bereich von Mentalität kommt sogar noch eine weitere Schwierigkeit hinzu. Dort ist die Bewußtseinsmacht, die vereinen soll, nicht nur in ihrer Erkenntnis und ihrem Willen begrenzt, sondern beide streben konfligierend auseinander. (So mag der kritische Leser dieses Textes die (hoffentlich) darin ausgedrückte Wahrheit zwar erkennen, sie aber doch nicht anerkennen wollen, weil sie sich zu weit außerhalb von wissenschaftlicher Normalität bewegt und daher sehr beunruhigt. Und genau deshalb wird er sich (sein Ich) damit aus-ein-ander und wieder zusammen setzen müssen, denn mit der Wahrheit ist das halt so eine Sache, wenn wir sie durch die Vordertür hinauswerfen, dann schleicht sie sich durch die Hintertür wieder ein. Wir werden sie nicht los. Mir ist das auch so ergangen. Ich muß sich stellen – wenn es nicht scheitern will – und steht dann da, weil es nicht anders kann.)

Nach der Maßgabe seiner Individuierung zu einem selbst-bewußten und wirklich denkenden Subjekt wird der Mensch sich zunehmend deutlicher der selbst-refe-rentiellen Entzweiung in den Schichten seines Wesens bewußt. Er sucht dann nach einer Vermittlung, die Mental, Leben und Körper sowie Erkenntnis, Willen und Gefühl miteinander versöhnen und in eine in sich (in ihrem Ich) friedvolle, freundliche Einheit aufheben kann.

Manchmal hintergeht und täuscht er dies Verlangen, indem er einen „pragmatischen” Kompromiß schließt, der dann aber nur ein vorübergehender (er dauert genau so lange, wie die Täuschung aufrecht erhalten werden kann) Waffenstillstand (oder nur relativer Friede) sein kann. Solcher Kompromiß ist gleichsam eine Pause in seinem Entwicklungsprozeß, der auf eine integrierende Entfaltung seiner Möglichkeiten zielt oder eine Rast auf dem Weg zur Einheit, denn seine aufwärtsstrebende Seele gibt sich mit nichts Geringerem zufrieden als Vollkommenheit (kann sie auch nicht, denn alles andere wäre keine Lösung des Problems).

Wo und wie können wir deren Prinzip (oder die Struktur der Vollkommenheit) in der – wie wir gesehen haben – radikalen Unvollkommenheit finden? Das Mental ist in Begrenzung und Zerteilung verwurzelt, das Leben ist nur dessen Energie und der Körper nur seine temporäre Struktur.

Wo ist Vollkommenheit? Vielleicht im Unterbewußten? Dort ist zwar deren Prinzip und Macht vorhanden, aber sie selbst ist durch den Schleier des Nichtbewußten verhüllt und kann nur als als ungefähre Ahnung oder unverwirklichtes Ideal, bestenfalls als tacit knowledge hervor treten. Ist sie dann im Überbewußten zu finden? Dort war-tet sie in der Tat auf uns, aber noch sind wir durch den Schleier unserer Unkenntnis von ihr getrennt. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als oberhalb unseres aktuellen Kraftausgleichs zu suchen, denn darunter oder darin können wir sie nicht finden.

Ganz strukturhomolog und parallel gleichläufig zu seinem werdenden Selbst-Be-wußt--sein wird sich der Mensch sehr deutlich auch derjenigen Unwissenheit bewußt, die seine Beziehungen bestimmt und entwickelt soziologischen Wissensdurst. Aber auch dies Begehren kann letztlich nur von einer mentalen Reflektion befriedigt werden, die ebenso die Erkenntnis der Mentalität der Anderen besitzt wie die eigene.

Die Möglichkeitsbedingung von Vollkommenheit ist also zunächst ein Intellekt, der von Mißverstehen frei ist, ein Wille, der sich mit dem Willen der Anderen eint, ein Herz (oder eine Emotionalität) das die Emotionen der Anderen wie die eigenen empfindet, eine Lebens-Kraft, die sich die Energien der Anderen zu eigen macht, indem sie diese erfüllt und ein Körper, der kein Verteidigungswall ist.

Diese Bedingung ist sowohl im Unter- als auch im Überbewußten erfüllt aber die Gerichtetheit des Weltprozesses zwingt uns dazu nach oben durchzudringen und nicht nach unten zu regredieren, denn der Drang der Seele (der uns immerhin schon bis zu der aktuellen Art und Weise des Gegebenseins von Menschheit getrieben hat) ist nicht auf das gerichtet, was im Unterbewußten verborgen ist, sondern auf das, was in seiner Vollkommenheit unendlich überbewußt ist.

Wir haben abschichtend heraus-gefunden (oder -geholt), daß die Fallstruktur der Initialsequenz von Lebenspraxis (in der Welt) in einem dumpfen, vollkommen unbewußten (An-)Trieb besteht, der die Kraft eines in das materielle Dasein involvierten Willens ist. Der nicht frei ist, son-dern vollkommen bewußtlos ganz der universalen Bewegung dient, in der er als die noch nicht geformte Ur-Sache von Individualität und Individuiertheit entsteht und mit seiner Formation in Hunger (oder Fressen wollen) die erste Entwicklungsphase des embryonalen Subjekts (als noch vollkommen unterworfenes) vollendet und damit die nächste (darauf aufstufend überlappende) Sequenz als Möglichkeit eröffnet.

Darin transformiert sich Hunger in Begehren, das uneingeschränkt besitzen will aber in seiner Befähigung in Besitz zu nehmen beschränkt ist. Mit der Erkenntnis von Sterblichkeit (dem „Sündenfall” oder der Geburt des sich bewußten Ich-Subjekts) wird diese zweite Phase vollendet und die dritte eröffnet, in der sich Begehren in Liebe transformiert und der Mensch zum (selbst-)bewuß-ten Menschen wird. Darin sind wir aktuell. Die nächste Phase (der selbst-referentiellen Transzendenz in das Überbewußte oder der Aufhebung des Subjekts als Subjekt) muß als vierte die Schlußsequenz und zugleich die Bedeutung der drei Sinndimensionen des Weltprozesses und damit die Vollendung dessen Aufhebung sein.

Im inneren Kontext dieser Folge erkannten wir Ausdrucksgestalten und Stufen des Suchens der Seele nach Freude und Glück. Der Aufstieg des Lebens – von der Substanz zum Sein – ist also seinem Sinn nach der Aufstieg des Glücks aus der bewußtlosen materiellen Konzeption in den Dingen (durch die (real-)dialektischen Widersprüche hindurch) hin zu seiner lichtvollen Vollendung im Geist.

KLEIST ist also gerechtfertigt, wenn er am Schluß seines Marionetten-Theater-Auf-satzes sich ein „letztes Kapitel von der Geschichte der Welt” als zweiten Sündenfall erträumt, der den ersten außer Kraft setzt, und intuitiv gestaltrichtig erkennt, daß wir „wieder von dem Baum der Erkenntnis essen [müssen], um in den Stand der Unschuld zurückzufallen”. Wir müssen uns das bewußt vermitteln, was wir uns zu Beginn der werdenden Erkenntnis durch diese abgetrennt haben, nämlich unser genuines Selbst, das frei von Schuld ist.

Dies muß so sein, weil so, wie die Welt ist, diese Masken trägt (oder evolutiv involvierend auf-ein-ander schichtet) und so als Natur des Bewußtseins in ihrer Form ent-stellt ist. Trotzdem läßt sich auch in der verzerrten Form die Gestalt erkennen. Ohne Erkenntnis bleibt unser Ich aber von Fratzen umgeben und ängstigt sich zu Tode.

Dagegen empört sich das unsterbliche Leben, weil das Leben die Energie der bewußten Kraft ist, die so (notwendig) mißbraucht wird. Und weil die geheime Struk-tur seiner Bewegung das Glück ist, das in allen Dingen ver-borgen ist, glückt seine Revolte (des Involvierten) letztlich doch.

Das heißt: Wo ein zerteiltes und zerteilendes Ich genau wegen dieser Zerteilung das Glück verfehlt, kann sich das Leben nicht zufrieden geben. Wenn das Glück hinter einem (entstellenden) Schleier zurück gehalten wird, das Leben sogar gezwungen wird, sich als sein eigener Gegensatz da-zu-stellen (oder die Maske des Todes zu tragen), wenn helles Bewußtsein die Form des dunklen Unbewußten annimmt und die Kraft sich in der Verkleidung von Unfähigkeit lächerlich macht, kommt es zur Rebellion des Lebens. Dies ist seine Strukturgesetzlichkeit. Das Leben kämpft für den Ausdruck des vollkommenen Glücks. Es muß es finden, in Besitz nehmen und zur Vollendung bringen, denn erst damit ist es erfüllt. Erst dann kann es von seiner Bewegung ausruhen, vorher nicht. Das kleine Glück ist ein fauler Kompromiß und das große Glück zu kurz gegriffen. Das unendliche Glück ist das Ziel.

MfG
JB

-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Dr. Bullinger [mailto:JFBulli@netscape.net]
Gesendet: Montag, 15. November 2004 17:34
An: Elfriede Schumacher

Betreff: Re: AW: AW: VERSUCH : Meine Differenz zu Bullinger und Mahler darzustellen


Na aber Herr Schumacher,

wer wird denn gleich aufgeben? Ihr Rabbi wird da nicht so recht zufrieden mit Ihnen sein.

Es folgt also die nächste Lektion und vielleicht finden Sie ja hier einen Ansatzpunkt für Ihre talmudische Rabulistik Und falls nicht, können Sie es ja wieder mit persönlichen Beleidigungen, Diffamierungen und Verleumdungen versuchen, ganz so, wie Sie es so gut gelernt haben und auch sehr gut können. Übrigens: Das mit dem falschen Lob funktioniert nur bei sehr dummen oder sehr eitlen Menschen. Und ich nehme für mich (mit Verlaub) in Anspruch, beides nicht zu sein.

Ihr typischer Hang zu gewissenloser Manipulation, uverantwortlicher Verdummung, und grausamer Unwahrheit emergiert aus der exklusiven, egozentrierten Konzentration des Bewußtseins, die aus dem Indiviuum das Dividuum macht, indem sie den Arte-fakt eines begrenzten Ichs und damit auch den Anderen als Anderen erzeugt. Der (oder das) Andere ist aber nur eine andere Art und Weise des Gegebenseins, eine andere Sinndimension meines eigenen Selbstes. Wenn Ich Mich aber - exklusiv über den einen besonderen Augenblick in der Zeit, den einen besonderen Standpunkt im Raum und die eine besondere Gestalt, die ich gegenwärtig einnehme - definiere, dann schneide Ich das Selbst ab, das ich bin. In solcher Ich-Identität bleibe Ich gefangen ohne Mich je befreien zu können. Selbst dann, wenn Ich versuche, das, was Ich dann nicht mehr bin, dadurch zurück zu gewinnen, daß Ich die sequentielle Aufeinanderfolge der Augenblicke, Standpunkte, Gestalten und Bewegungen miteinander verknüpfe, kann Ich meine Wahrheit nicht mehr finden. Ich kann mir bestenfalls eine kohärente und konsistente Biographie zusammenbasteln, die stets Gefahr läuft an meiner nächsten spontanen Handlung zu zerbrechen. Dann weiß Ich wieder nicht mehr, wer oder was Ich bin und muß wieder neu basteln und so immer fort bis zum Tod.

Alle Mentalität (auch eines Volkes) ist ein einziges Mental, das verschiedene Positionalitäten einnimmt und daher unterschiedliche Perspektiven hat. Alle Lebenspraxis ist eine einzige, die unterschiedene Aktivitäten entwickelt. Alle Körper (oder Leiber) sind unterschiedene Ausdrucksgestalten einer einzigen Substanz von Kraft und Bewußtsein, die sich zu scheinbar festen Formen verdichtet. In Wahrheit aber sind alle diese scheinbar fest für sich seienden Statiken eine einzige, beständige Dynamik, deren (ver-)wirbelnd (ver-)dichtende Bewegung auf eine einzige (Ur-)Form rekurriert, die sie in selbstreferentiellen Modifikationen wiederholt. Darüber hinaus sind sie nichts.

In der Perspektivität der Positionalität des Menschen in seiner aktuellen Entwicklungsstufe muß das Mental versuchen die Prozesse zu verdinglichen, weil es sonst nicht wirken kann. In Wirklichkeit aber ist alles ein selbstreferentielles Fließen von Wechsel und Erneuerung ohne Formen an sich oder unveränderliche äußere Faktoren. Nur die Real-Idee beharrt beständig in der Zeit oder ist ewig und hält eine gewisse Konsistenz und Kohärenz sowie eine temporäre Konstanz der Ausdrucksgestalten und ihrer Reziprozität im Fließen der "Dinge" aufrecht. Wenn wir also - vollkommen vergeblich - versuchen dem Un-beständigen Beständigkeit zuzuschreiben, dann ahmen wir die Real-Idee nach. Wir wissen die Wahrheit aber sie ist uns nicht bewußt, sondern von Unwissen verdeckt. Wir ahnen und fühlen dabei, daß Verdinglichung irgendwie falsch sein muß.

Die moderne Form von Unwissenheit emergiert aus der Selbst-Identifikation mit dem Körper. Dabei steht der Abspaltung "Ich habe einen Körper" die ebenso falsche Subsumtion "Ich bin mein Körper" entgegen. So wird der Körper ein Ding, das Ich zugleich habe und bin. Diese kategorial falsche Dreieinigkeit inadäquater Zertrennungen potenziert sich in der manifest verleugneten (Hast Du was, Bist Du was) und latent umso wirkungsmächtigeren contradictio von Sein und Haben in eine (patho-)logische Entfremdung. In dieser Entfremdung kann man dann sagen "Mein Bauch gehört mir" und mit gutem Gewissen ungeborene Kinder töten, Bodybuilding betreiben und glauben, man gestalte dadurch sich selbst und individuiere oder das Mental als Funktion von Gehirn oder/und Nerven erklären.

Die Body-Mentalität umfaßt aber - auch dort, wo sie sachhaltig als Mentalität erkannt ist - nur unsere Außenseite. Sie ist gleichsam die äußere Front der Zweitheit, in der wir unsere kampfbetonten lebenspraktischen Erfahrungen machen. Die Einwirkung des Mentals auf die Materie ist nur eine körperliche Sinndimension und selbst diese kann nicht erschlossen werden, wenn wir daraus, daß sich unser Mental (auch) den körperlichen Funktionen widmet, die es für sein Wirken in der materiellen Welt benötigt, schließen, daß das Mental durch den Körper bestimmt sei. Diese falsche Prämisse begrenzt nicht nur die Wahrheit der Psychoanalyse sondern ist ganz eigentlich die Grund-Lage von (Un-)Wissenschaft für uns.

Unterhalb dieser Oberflächen-Mentalität (für uns unterbewußt) wissen wir aber, daß der Mensch mehr ist als nur Körper, nämlich ein Mentalwesen. Dieses Hinter-Grund-Mental ist weitaus wirklicher als seine vordergründigen Derivate. Wenn wir uns dessen bewußt werden, so erhalten wir eine erste Idee von Seele als einem innerern Wesen, das nicht körpergebunden ist und unser Leben ausmacht.

Nun ist man versucht zu meinen, daß eine Befreiung vom Irrtum der physiologischen Determination den Irrtum des Mentals vollkommen aufhebt. Dem steht aber noch die egozentrierte Position entgegen, die in einem ursprünglicheren Akt von Unwissenheit eingenommen wurde. So lange, wie sich die kategorial falsch individualisierende Seele zum Dividuum macht, alles aus der Perspektivität der Positionalität eines abgegrenzten und abgrenzenden Ichs be-trachtet, bleibt der Irrtum notwendig auf seiner gegenwärtigen Stufe und kann nicht ganz, sondern nur in Teilen aufgehoben werden. Die Seele kann sich (dabei) ihrer anderen Selbste nur durch deren Re-konstruktion aus den Spuren bewußt werden, welche deren Handeln hinterläßt. Sie muß die Spuren lesen und als Hinweise deuten. Solche Bedeutung ist hinter dem Sinn von diesem verborgen, den es damit abzuschichten gilt, um Bedeutung zu ent-bergen. Weil dies so ist, ist sich die Seele auch ihres eigenen Selbstes nicht gewiß.

Vollkommen strukturhomolog dazu, daß sich das physisch-instrumentale Mental als Körper identifiziert, identifiziert sich das dynamisch-vitale Es als Leben, weil es von diesem durchdrungen, damit verwoben und durch das Leben begrenzt ist. Das physisch-instrumentale Mental ist von Körperlichkeit absorbiert, das dynamisch-vitale Mental von Leben. Von hier aus gelangen wir also nicht in den Bereich, wo Mental und genuines Mental in eins fallen. Wir müssen noch tiefer abschichten.

Hinter dem dynamischen und vitalen Mental operiert ein drittes, klareres und reflektierendes, das nicht von Leben aufgezehrt wird, sondern Leben und Körper betrachten kann. Wäre es anders, so könnte ich diesen Satz nicht schreiben, bzw. könnten Sie ihn nicht lesen. Dieses Mental ist also der Ursprung des reinen Denkens in uns. Es sieht Welt nicht in Begriffen von Leben und Körper sondern mental. Es ist unser eigentlich mentales Wesen, das wir ebenso irrtümlich für reinen Geist halten, wie wir das dynamisch-vitale Mental mit der Seele verwechseln. Aber selbst dieses reine Mentalwesen unterliegt dem Ur-Irrtum, wenn es sein gesondertes Selbst zum Richter, Zeugen und Zentrum macht.

Solange, wie die Anderen als Andere um das eigene Selbst herum gruppiert werden, hängt der Vorhang von Unwissenheit vor der Wahrheit. Ein Abbild mag darauf projeziert sein, die Wahrheit selbst aber bleibt verborgen. Erst dann, wenn das zerteilend zerteilte Mental staunend verstummt und sich vollkommen passiv dem Erhabenen öffnet, überwindet es seine Begrenzung und kehrt zur Wahrheit zurück, wo es die Real-Idee reflektiert, ihr gehorcht und so zu ihrem Instrument wird. Dort erkennen wir uns in den Anderen und als Andere sowie die Anderen als uns selbst und alles als das selbst-verviel-fältigte Eine. Wir erkennen dort nicht nur die sich ausdifferenzierenden Sinndimensionen, sondern zugleich deren eine Bedeutung. Dann erfüllen wir unsere Funktionalität, nämlich innerhalb der Wahrheit durch phänomenale Ab-Grenzung ihres Handelns die Gestaltungen so von ein-ander getrennt zu halten, daß die hinter ihnen operierende universale Lenkung gewußt bleibt.

Humane Lebenspraxis soll also eine Individuierung von handelndem Bewußtsein, Glück, Kraft und Substanz aufrecht erhalten, die ihre machtvolle Wirklichkeit (oder Wirksamkeit in der Welt) aus der Universalität bezieht. Sie soll die Vielfalt des Einen - scheinbar zerteilend - in Phänomene transformieren, damit sich diese begegnen und wieder vereinigen können. Dem Mental kommt dabei eine strukturierende Funktion zu. Es soll dem Einen die Möglichkeit eröffnen, so zu handeln als ob es ein Individuum wäre, das mit anderen Individuen in reziproker Sozialität steht ohne seine Einheit aufgeben zu müssen. Das ist die Real-Dialektik von Welt. Das Mental ist dabei die Produktionsweise des Wissens. Also gilt: Unsere Unwissenheit für uns erzeugt keine absolute Falschheit, sondern immer nur falsche Dar- (oder Vor)stellungen von Wahrheit. Die Unwissenheit ist Wissen, das von seiner Wissensquelle getrennt ist.

Das Mental ist gleichsam die Kulturindustrie Gottes. Ihre Produkte sind nicht authentisch aber sie verweisen auf eine Authentizität, die sie falsch darstellen. So zeigt sich die dynamisch fließende Autopoiesis der selbstreferentiellen Wahrheit für uns in falscher Erstarrung und der falschen Zweitheit von Opposition und Konflikt.

Der strukturale Irrtum des Mentals besteht also darin, daß die (in-)dividuelle Seele ihre (In-)Dividualität als brute fact und nicht als Form des Einsseins begreift. Aus diesem allgemeinen (Ur-)Irrtum folgen (wegen der Selbst-Referentialität) alle besonderen Irrtümer zwangsläufig. Alle besondere Unwissenheit und Beschränkung ist darauf zurück zu führen.

Wenn das Mental aus dem systemischen Fluß der phänomenalen Dinge Dinge als "eigentliche" Dinge heraustrennt, so erzeugt es eine kategorial falsche weil iso-ierte Reduktion als einer falschen Beschränkung des Wesens. Dies ist etwa so, wie wenn man aus einer Symphonie einzelne Töne isolierte und diese als deren Struktur beschreiben würde.

Wenn aber alles Seiende in einer reziproken, sich wechselseitig bedingenden und auf-ein-ander verweisenden Beziehung steht, dann müssen wir entweder die Erkenntnis des Ganzen oder die seiner wesenhaften Struktur besitzen, um den Teil richtig erkennen zu können. Weil wir solche Erkenntnis aber nicht haben, beruht alles menschliche Erkennen auf Irrtum. Ganz analog dazu muß auch unser Wille - wegen seiner Unkenntnis des Willens - in irrtümliches Handeln, Unfähigkeit und Machtlosigkeit fallen.

So versinkt das strukturale Glück der Seele in Leid und Unvermögen. Das Entzücken an den Dingen verkehrt sich in Entsetzen. Und aus Furcht vor Vernichtung und Tod muß Ego vernichten und töten um zu leben. Deshalb müssen in Palästina und im Irak die Menschen sterben.

MfG
JB

 

Original Message -----
Sent: Wednesday, November 17, 2004 1:10 AM
Subject: Günter Kögel

 

Eine neue Front im Kampf um das Reich ist eröffnet!

Deutsche Freiheitskämpfer, die wegen der Verkündung der Wahrheit und ihres  Eintretens für die Ehre des Deutschen Volkes und Reiches, von den Vasallen der Feindmächte im Gewande der Justiz der OMF-BRD zu sogenannten Freiheitsstrafen verurteilt werden, sollen ab sofort nicht mehr mit dem Makel der Kriminalität behaftet, unbeachtet bei Nacht und Nebel hinter den Mauern des BRD-Strafvollzuges verschwinden, sondern von Bürgern des Deutschen Reiches ehrenvoll als Kriegsgefangene der Feindmächte Deutschlands in die         jeweiligen Kriegsgefangenenlager des Systems begleitet und  gebührend     verabschiedet werden.

So wurde der Studiendirektor a.D. Günter Kögel (78) am 14. November 2004 von etwa 100 Bürgern des Deutschen Reiches in das Kriegsgefangenenlager Remscheid (JVA-Remscheid) begleitet und dort ehrenvoll verabschiedet. Nach dem Willen der BRD-Justiz soll er  für 15 Monate interniert bleiben, weil er in der von ihm seit 36 Jahren herausgegebenen Monatsschrift „Deutschland – Zeitschrift eine Neue Ordnung“  einen Artikel des kürzlich verstorbenen U-Bootkommandanten des II. Weltkrieges  und Publizisten  Johannes Peter Ney unzensiert veröffentlicht hatte, in dem dieser seinen Zorn über die Durchmischung des Deutschen Volkes mit fremden Völkerschaften ausdrückte.

Aufgerufen zu dieser Aktion hatte die „Reichsbürgerbewegung“  und der „Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ (VRBHV).

So fuhren denn nach der Mitgliederversammlung des Vereins 25 Mitglieder von Vlotho aus mit einem angemieteten Bus zur angekündigten Zeremonie nach Remscheid. Dort wurde in der Ortsmitte der Bus von

 

Günter Kögel mit Horst Mahler vor seinem Haus in Remscheid
 

einem Polizeimannschaftswagen empfangen, der das Gefährt &nb